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Symbolbild: Trigeminusneuralgie
Symbolbild: Trigeminusneuralgie
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Trigeminusneuralgie (Gesichtsschmerz) | Ursachen und Behandlung

Zuletzt aktualisiert am: 30.07.2019
Eine Trigeminusneuralgie äußert sich durch starke Schmerzen im Gesicht, Kiefer doer den Zähnen. Um die Schmerzen zu lindern und die Ursache zu beheben, stehen eine Reihe medikamentöser und operativer Behandlungsmethoden zu Verfügung. Bei der Behandlung sollten auch psychische Faktoren und Trigger wie emotionaler Stress berücksichtigt werden.  Alles über Symptome, Diagnose und Behandlung der Trigeminusneuralgie finden Sie in diesem Ratgeber. 

Was ist eine Trigeminusneuralgie?  

Der Fachbegriff Trigeminusneuralgie bezeichnet eine äußerst schmerzhafte Erkrankung des Gesichtsnervs Nervus trigeminus. Meist ist ein pathologischer Kontakt des Trigeminusnervs mit einem Blutgefäß ursächlich für die Nervenschmerzen im Gesicht. Der Kontakt betrifft die Nervenwurzel und kann mithilfe radiologischer Bildgebung (MRT) sichtbar gemacht werden.  

Auf einen Blick 

  • Die Trigeminusneuralgie tritt insgesamt selten auf. Sie betrifft am häufigsten Menschen über 40 Jahren und wird auf etwa Neuerkrankungen auf 100.000 Menschen im Jahr beziffert.  
  • Die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung nimmt mit dem Alter zu, sie kann aber grundsätzlich in jedem Alter auftreten, auch bei Kindern.  
  • Frauen sind vom Gesichtsschmerz häufiger betroffen als Männer.  
  • Im Winter tritt die Trigeminusneuralgie häufiger auf als im Sommer.  
  • Die Erkrankung zeigt in der Regel einen zunehmend schweren Verlauf. Lediglich jeder dritte Patient erfährt nur eine einzige Schmerzepisode in seinem Leben.  
  • Eine Trigeminusneuralgie ist behandelbar: Es stehen sowohl konservative (medikamentöse) als auch operative Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. 

Der Nervus trigeminus 

Der Trigeminusnerv ist ein Gesichtsnerv, der zu den zwölf Hirnnerven zählt, die aus dem Gehirn entspringen. Trigeminus heißt er deshalb, weil er sich über die Stirn- und Kieferregionen des Kopfes in drei Äste verzweigt und darin für Sensibilität sorgt. Er leitet Empfindungen aus den oberen, mittleren und unteren Gesichtsbereichen ans Gehirn und steuert die Motorik, z.B. der Kau- und Schläfenmuskulatur. Die Äste vereinen sich in einem Nervenknoten, dem Ganglion Gasseri. Bei der Trigeminusneuralgie kann mehr als ein Nervenast betroffen sein. 

Die drei Äste des Nervus Trigeminus

Die drei Äste des Nervus Trigeminus: 

  • Nervus ophthalmicus
  • Nervus maxillaris
  • Nervus mandibularis
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Nervenschmerzen im Gesicht: Symptome einer Trigeminusneuralgie  

Die Trigeminusneuralgie äußert sich durch plötzlich einschießende heftige Gesichtsschmerzen, die zwischen einigen Sekunden bis hin zu zwei Minuten andauern können. Die Schmerzen bei dieser Erkrankung werden von Betroffenen als stromstoßartig oder blitzartig beschrieben. Diese Attacken können mehrmals pro Tag, manchmal bis zu viermal pro Minute, auftreten und über mehrere Monate andauern.  
 
Die Schmerzmuster sind dabei für jeden einzelnen Patienten recht typisch und wiederholen sich. Nach einer Schmerzphase, die auch von Verkrampfungen (Spasmen) der Gesichtsmuskulatur begleitet sein kann, folgt häufig eine schmerzfreie Phase.  
Begleitet wird der Nervenschmerz des Gesichts in vielen Fällen von Rötungen oder/und Tränenfluss.  
Die Trigeminusneuralgie kann für folgende Schmerzsymptome verantwortlich sein. 

Nervenschmerzen im Zahn 

Eine Neuralgie am Zahn kann infolge von Zahnbehandlungen, chirurgischen Eingriffen oder Unfällen sein. Wurzelkanalbehandlungen, Zahnextraktionen oder die Entfernung von Zahnstein lösen in einigen Fällen noch Wochen oder Monate später Beschwerden wie Taubheit, Brennen, Kribbeln, Zahnschmerzen oder Überempfindlichkeit aus.  
 
Oftmals ist jedoch auch der Trigeminusnerv der Auslöser für Nervenschmerz am Zahn. Zum Teil betreffen die Nervenschmerzen nur einige Zähne, wodurch sie sich nur schwer von normalen Zahnschmerzen unterscheiden lassen. Die Diagnose ist besonders in der Anfangsphase schwierig, da sich die Beschwerden nicht nur durch Nervenschmerzen im Zahn, sondern auch durch weitere Symptome äußern können.  
 
Da die Schmerzen an den Zähnen zu Beginn meist noch nicht so stark sind, versuchen viele Menschen, diesen Zustand einfach auszusitzen. Häufig werden hinter den Beschwerden normale Zahnprobleme vermutet und die Angst vor dem Zahnarzt lässt die Betroffenen oft lieber zu Schmerzmitteln greifen, anstatt die Ursache abklären zu lassen.  

Nervenschmerzen im Kiefer 

Auch Nervenschmerzen im Kiefer können durch eine Trigeminusneuralgie verursacht werden. Es kommt zu kurzzeitig zuckenden Schmerzen bis zu einem blitzartigen Reißen. Besonders unangenehm sind auch bohrende oder ziehende Dauerschmerzen. Sehr häufig sind Nervenschmerzen im Kiefer von einem Brennen begleitet. Die Nervenschmerzen im Kiefer werden häufig bereits durch einen leichten Reiz (Kälte, Berührung) ausgelöst und können auch in völliger Ruhe entstehen. 

Nervenschmerzen im Ohr  

Eine Nervenentzündung des Trigeminusnervs kann sich auch im Ohr bemerkbar machen. Hierbei führt eine Reizung oder Quetschung des Trigeminusnervs zu starken, meist einseitigen Schmerzen im Ohr.  

Auslöser (Trigger) für Trigeminusschmerzen 

Oft treten Trigeminusschmerzen ohne Vorwarnung bei Alltagshandlungen wie etwa Zähneputzen, Kauen, Sprechen, oder Berührungen im Gesicht auf. Ebenso können kalte Luftzüge oder emotionaler Stress Auslöser (Trigger) sein. Aus Angst vor weiteren Schmerzattacken entwickeln Betroffene ein Vermeidungsverhalten: Sie unterlassen Handlungen wie Rasieren, Zähneputzen oder Spaziergänge an der frischen Luft, weil eine dieser Situationen bei ihnen vielleicht als Trigger wirkt. Um dem entgegenzuwirken, sollte so früh wie möglich eine Abklärung des Krankheitsbildes durch einen Neurologen erfolgen. 

Ursachen der Trigeminusneuralgie  

Eine Trigeminusneuralgie kann ohne direkt erkennbare Ursache entstehen oder aufgrund von Nervenschädigungen, etwa durch eine Operation oder einen Eingriff beim Zahnarzt. Ebenso kann die Kompression des Trigeminusnervs Gesichtsschmerzen auslösen. Auslöser für die Reizung des Trigeminusnervs ist in vielen Fällen eine Quetschung der Nervenwurzel durch ein geschlängeltes Blutgefäß. Man unterscheidet zwischen zwei Formen der Trigeminusneuralgie: 

Symptomatische Trigeminusneuralgie

Die symptomatische Trigeminusneuralgie kann auf einen krankhaften Gefäß-Nerven-Kontakt zurückgeführt werden. Durch den Druck eines Gefäßes auf den Nerv wird dessen Umhüllung (die sogenannte Myelinscheide) geschädigt, und der Nerv entlädt sich spontan. Diese Entladung verursacht im durch den Trigeminusnerv versorgten Gebiet (Augen, Wangen, Stirn, Kiefer und Zähne) schwere, anfallartige Nervenschmerzen.   
Oft handelt es sich bei den Auslösern um Schlagadern, die verdickt und starrer als gewöhnlich sind, beispielsweise aufgrund einer Arterienverkalkung. Die Verdickungen durchdringen die zwischen Nerv und Blutgefäß liegenden Isolierschichten und wirken auf den Nerv ein oder schädigen diesen sogar. Bei der symptomatischen Trigeminusneuralgie tritt der Schmerz beidseitig auf und es kommt zu Dauerschmerz ohne schmerzfreie Phasen. 
Ursächliche Krankheiten können ebenso sein:  
  • Schlaganfälle  
  • Multiple Sklerose 
  • (seltener) Gehirntumoren  
  • Gefäßmissbildungen in der Umgebung des Hirnstamms    

Klassische/idiopathische Trigeminusneuralgie

Dabei handelt es sich um eine eigenständige Schmerzerkrankung, die auf keine physiologisch erkennbare Ursache zurückzuführen ist. Hierbei entstehen oft einseitige Gesichtsschmerzen. Zwischen den einzelnen Schmerzattacken besteht Schmerzfreiheit. Diese Form ist jedoch sehr selten. 
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Diagnose der Trigeminusneuralgie  

Erkrankungen von Nasennebenhöhlen, Zähnen und Augen können mögliche Gründe für Gesichtsschmerzen sein. Diese sollten vor der Behandlung ebenso ausgeschlossen werden, wie Kiefergelenksprobleme oder muskuläre Verspannung in der Halsmuskulatur.  Eine symptomatische Trigeminusneuralgie kann im MRT sichtbar gemacht werden.  
Für die Diagnose der klassischen Trigeminusneuralgie gibt es folgende Kriterien:  
  • Anfallsartige Schmerzattacken von Bruchteilen einer Sekunde bis zu zwei Minuten Dauer, die einen oder mehrere Äste des Nervus trigeminus betreffen und die Kriterien B und C erfüllen 
  • Der Schmerz weist wenigstens eines der folgenden Charakteristika auf: starke Intensität (scharf, oberflächlich, stechend), ausgelöst über eine Triggerzone oder durch Triggerfaktoren 
  • Die Attacken folgen beim einzelnen Patienten einem stereotypen Muster 
  • Klinisch ist kein neurologisches Defizit nachweisbar 
  • Nicht auf eine andere Erkrankung zurückzuführen 

Wie wird die Trigeminusneuralgie behandelt? 

Der erste Therapieversuch ist in der Regel medikamentös, um unnötige Operationsrisiken zu vermeiden. Das Medikament der Wahl ist in diesem Fall Carbamazepin (ein Antiepileptikum), das Schmerzattacken vorbeugen kann. Die Dosis kann so lange gesteigert werden kann, bis die Schmerzattacken aufhören. Um die Nebenwirkungen gering zu halten, wird die Dosierung nur langsam angehoben.  
 
Normale Schmerzmittel (sogenannte Analgetika) wie etwa Ibuprofen oder Diclofenac sind bei der Trigeminusneuralgie zwecklos, da ihre Wirkung frühestens dreißig Minuten nach der Einnahme eintritt und so nicht in der Lage ist, bei plötzlichen Schmerzattacken Linderung zu verschaffen. In der Akuttherapie hat sich der Wirkstoff Phenytoin bewährt. Ist eine Multiple Sklerose für die Trigeminusneuralgie verantwortlich, eignet sich der Wirkstoff Misoprostol für die Therapie. 
 
Eine operative Therapie ist dann angebracht, wenn sämtliche Schmerzmittel versagen oder wenn eine konkrete Ursache vorliegt, wie beispielsweise ein Gehirntumor. 
Es stehen drei Operationsverfahren zur Verfügung: 
  • Mikrovaskuläre Dekompression nach Jannetta: Der Schädel wird am Hinterkopf geöffnet, um Zugang zum Trigeminusnerv zu haben. Dann wird der Druck zwischen Gefäß und Nerv durch ein zwischengelegtes Teflon- oder Goretexschwämmchen unterbunden. 
  • Radiochirurgie: Der Trigeminusnerv wird nahe dem Hirnstamm mit einem Strahlenfeld bestrahlt. 
  • Perkutane Thermokoagulation: Der Arzt führt eine Sonde unter der Haut zum Trigeminusnerv und zerstört dort die schmerzleitenden Nervenfasern  

Risiken der Ganglion-Gasseri-Techniken und anderer Operationsmethoden 

Eine Operation kann zur Entstehung einer herabgesetzten Berührungs- und Druckempfindlichkeit bzw. zur Empfindungsstörung der betroffenen Gesichtsseite führen. In seltenen Fällen resultiert aus einer solchen Behandlung ein Dauerschmerz.  
Mit einem höheren Operationsrisiko verbunden ist die mikrovaskuläre Dekompression, die in bis zu drei Prozent aller derartigen Eingriffe zum einseitigen Hörverlust, zu Blutungen und zur Schwellung des Kleinhirns führt.  
Die niedrigste Komplikationsrate hat die Radiochirurgie, bei der jedoch die Erfolgsrate bei der Beseitigung der Nervenschmerzen des Gesichts am geringsten ist.  

Entspannung und Abbau von Stress  

Psychischer Stress spielt aus Auslöser der Trigeminusneuralgie eine große Rolle und sollte in der Therapie berücksichtigt werden. Nach dem Ansatz der multimodalen Schmerztherapie empfehlen sich ergänzende Maßnahmen, die Stress reduzieren und Betroffenen Wege an die Hand geben, mit ihrer Krankheit umzugehen. Ebenso kann eine begleitende Psychotherapie sinnvoll sein.  
 
Dazu gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die Sie ganz einfach in Ihren Alltag integrieren können und die beim Erlenen von Schmerzbewältigungsstrategien helfen können. Hierzu gehören:   
  • Achtsamkeitsübungen und Entspannungsverfahren  
  • Medikation und Yoga  
  • Biofeedback  

 

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