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Über den Aufbau des Nervensystems

Zuletzt aktualisiert am: 28.04.2016 11:10:41
Über den Aufbau des Nervensystems

Das Nervensystem unseres Körpers ist ein weit verzweigtes Organ mit Beziehungen in alle Körperregionen. Es besteht aus Millionen von Nervenzellen, die Informationen mit hoher Geschwindigkeit durch den Köper tragen.

Was versteht man unter ZNS und PNS?

Aufgrund ihrer Lage im Körper unterscheidet man das zentrale (ZNS) von dem peripheren Nervensystem (PNS). Dabei kann das eine nicht ohne das andere funktionieren. Zum ZNS gehören das Gehirn und das Rückenmark. Es sammelt und verarbeitet sensorische und sensible Signale und löst die motorischen Reaktionen des Körpers aus. Und nicht zuletzt ist das zentrale Nervensystem der Ort des bewussten und unbewussten Denkens. Anatomisch unterscheidet man die graue Substanz und die weiße Substanz. Die graue Substanz besteht primär aus den Nervenzellen, die weiße Substanz aus den Leitungsbahnen (Dendriten) zwischen den Nervenzellen (Axonen).

Zum PNS zählt man die von Gehirn und Rückenmark in die Peripherie des Körpers ziehenden Nerven, die das ZNS mit den Effektorganen verbinden. Sie liegen außerhalb des Schädels und des Wirbelkanals. Den größten Teil machen die Hirnnerven und die Spinalnerven aus. Die verschiedenen Komponenten des peripheren Nervensystems sind allerdings nicht immer klar abzugrenzen: Es gibt viele „gemischte“ Nerven, die sowohl motorische als auch sensorische Fasern in sich tragen, mit Anteilen aus dem somatischen wie aus dem vegetativen Nervensystem.

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Was passiert im peripheren Nervensystem?

Das periphere Nervensystem besteht aus zwei Teilen: dem somatischen (willkürlichen) und dem vegetativen (unwillkürlichen) Nervensystem. Das somatische Nervensystem leitet Sinneseindrücke zum zentralen Nervensystem und sendet umgekehrt Reize in die Peripherie. Feinste Nervenfasern sind mit der Muskulatur, der Haut und den Sinnesorganen verbunden und ermöglichen es, dass wir uns mit der Außenwelt in Beziehung setzen und uns im Raum wahrnehmen können. Die Nervenfasern vereinigen sich in zentraler Richtung und bilden die großen Rückenmarksnerven, die sogenannten Spinalnerven. Sie treten an der Wirbelsäule ein und senden ihre Fasern bis zur zuständigen Stelle im Gehirn.

Zwölf Nerven entspringen direkt am Gehirn. Zu diesen Hirnnerven zählen z.B. der Augen- und der Hörnerv, bekannt sind auch die Gesichtsnerven Nervus Trigeminus und Nervus Facialis. Das vegetative Nervensystem wird auch autonomes Nervensystem genannt. Es arbeitet selbstständig, quasi von unserem Willen unabhängig. Es kann – genau wie das somatische Nervensystem – sensible und sensorische Reize aufnehmen und motorische senden. Das vegetative Nervensystem steuert die unbewussten Vorgänge: Bewegungen der Muskulatur, Darm- und Herztätigkeit, Blutdruck, Puls, Atmung und Sexualfunktion. Auch die Funktionen der inneren Organe liegen unter autonomer Kontrolle. Beispiele für autonome Störungen, also Störungen des vegetativen Nervensystems sind: Herzrhythmusstörungen, vorübergehender Blutdruckabfall durch zu schnelles Aufrichten in krankhaftem Ausmaß, abnormales Schwitzen, Bewegungsstörungen des Magens, neuropathischer Durchfall, Impotenz oder auch ein gestörter Samenerguss.

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Sympathikus versus Parasympathikus

Das vegetative Nervensystem wiederum ist in sogenannte sympathische, parasympathische und enterische Nervenfasern unterteilt. Sympathikus und Parasympathikus fungieren im menschlichen Körper als Gegenspieler. Der Sympathikus ist für die schnelle Reaktion des Körpers auf Umweltreize verantwortlich und mobilisiert die Handlungsbereitschaft des Körpers (fight or flight). Er erhöht die Arbeitsleistung, regt die Herzaktion an und lässt den Blutdruck steigen. Die Leber setzt unter dem Befehl des Sympathikus Blutzucker frei, sodass der gesamte Körper in Höchstform ist.

Umgekehrt hingegen dämpft der Parasympathikus die Funktionen der meisten seiner Erfolgsorgane (rest and digest). Er ist für die Erholung und Speicherung von Energie zuständig. Die größte Eigenständigkeit im Sinne einer Unabhängigkeit vom ZNS besitzt das enterische Nervensystem. Dieser Teil des autonomen Nervensystems lenkt die Verdauungsprozesse.

Was sind sensorische und motorische Fasern?

Nervenzellen verfügen über motorische, sensible und sensorische Nervenfasern. Die motorischen Nervenzellen liegen im ZNS, während sich ihre Zellfortsätze (Axone und Dendriten) im peripheren Nervensystem befinden. Motorische Fasern sorgen für die Kontraktionen der Muskulatur und steuern die Bewegungen des Körpers. Umgekehrt leiten sensible und sensorische Fasern die Signale aus der Peripherie zum ZNS.

Sensorische Fasern leiten Wahrnehmungen wie das Sehen, Hören, den Geschmacks- und Geruchssinn sowie das Gleichgewicht. Sensible Fasern leiten Wahrnehmungen des Tastens wie Druck, Berührung, Vibration, Schmerz und Temperatur.

Sensibilitätsstörungen sind z.B. verminderte Hautempfindlichkeit (Hypästhesie) auf Reize wie Kälte, Wärme oder Druck und ein herabgesetztes Schmerzempfinden (Hypalgesie). Häufig kommen aber auch brennende Spontanschmerzen, einschießende Schmerzattacken und eine Überempfindlichkeit der Haut auf normalerweise nicht oder wenig schmerzhafte Reize vor (Allodynie bzw. Hyperalgesie). Das Überstreifen von Kleidung wird nach einer Gürtelrose (Post-Zoster-Neuralgie) schon im betroffenen Hautareal als äußerst unangenehm oder gar schmerzhaft empfunden. Motorische Störungen sind z.B. Verlust der Koordination oder auch Muskelschwäche. 

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die Inhalte unseres Nervenschmerz-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Dr. med. Henrike Ottenjann, Ärztin und Fachjournalistin für Medizin