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Hilfe finden: Anlaufstellen und Behandlungszentren für Schmerzpatienten

Zuletzt aktualisiert am: 26.04.2016 15:52:17
Hilfe finden: Anlaufstellen und Behandlungszentren für Schmerzpatienten

Schmerz ist ein komplexes Phänomen und die Behandlung dauerhaften Schmerzempfindens, darüber ist man sich in der Medizin heute einig, bedarf Teamwork. Chronische Schmerzen entstehen durch einen Lernprozess des Nervensystems, sie sind ein im Gehirn festgesetztes, sozusagen grundloses Leiden. Biologisch gesehen, ist Schmerz ein Warnsignal des Körpers, der anzeigt, das irgendwo im Körper etwas nicht stimmt. Chronischer Schmerz hat seine biologische Warnfunktion verloren und benötigt besondere Behandlungsansätze, die auch „unkörperliche“ Faktoren, also die Psyche und das soziale Umfeld des Patienten berücksichtigen. Das Schmerzgedächtnis lässt sich nicht löschen, aber der Umgang mit ihm lässt sich mithilfe durchaus erlernen. Dieses Ziel wird in speziellen Schmerzzentren verfolgt.

Nach Angaben der Deutschen Schmerzgesellschaft leiden mindestens 12 Millionen Menschen in Deutschland an Schmerzen. Chronische Schmerzen wie Nervenschmerzen stellen ein eigenständiges Krankheitsbild dar, das Einschränkungen in der Bewältigung des Alltags bis hin zur Arbeitsunfähigkeit und soziale Isolation zur Folge haben kann. Die häufigste Schmerzform sind dabei Rückenschmerzen, bei rund jedem dritten Patienten liegt eine Nervenschädigung vor. Betroffene fühlen sich von Ärzten und Umfeld oft unverstanden, müssen enorme psychische Belastungen erdulden und leiden oft unter Schlafstörungen, Ängsten und Depressionen. Neuropathische Schmerzen können sich ganz unterschiedlich äußern, die Diagnose ist schwierig. Viele Patienten, bei denen keine eindeutige körperliche Ursache festzustellen ist, haben daher eine lange Leidensgeschichte hinter sich gebracht, bis sie einem Schmerzspezialisten vorgestellt werden.

Wo findet man Hilfe? Anlaufstellen für Schmerzpatienten

Fehlt dem behandelnden Arzt oder Hausarzt die Qualifikation für die Schmerzbehandlung, überweist er den Patienten im Idealfall an einen Fachkollegen. In Deutschland gibt es mittlerweile spezielle Schmerztherapeuten – ein Titel, den nur Ärzte tragen dürfen, die eine entsprechende schmerzmedizinische Weiterbildung absolviert haben. Einen Facharzt für Schmerzmedizin gibt es aber derzeit noch nicht.

In Deutschland gibt es einige hundert niedergelassene Schmerzmediziner und rund 150 spezielle Schmerzzentren, die im Rahmen eines ganzheitlichen, sogenannten multimodalen Konzepts Menschen mit chronischen Schmerzen betreuen. Schmerztherapeuten erarbeiten hier zusammen mit Neurologen, Anästhesisten, Physio-, Ergo-, Psychotherapeuten und Sozialarbeitern individuelle Therapiestrategien, die auf die Situation des Patienten abgestimmt sind.

Die Versorgungslage für Schmerzpatienten in Deutschland ist derzeit aber noch immer, vorsichtig gesagt, ausbaufähig. Da die Schmerzmedizin nicht als eigenes Fachgebiet anerkannt ist, fehlt eine Bedarfsplanung von der kassenärztlichen Bundesvereinigung. Die Folge ist, dass es gerade in ländlichen Gebieten sehr wenige Arztpraxen gibt, die sich auf die ambulante Schmerzbehandlung spezialisiert haben. Patienten müssen hier oft länger als ein Jahr auf einen Termin warten. Ein wenig besser steht es um die stationäre Behandlung in einem Schmerzzentrum. Hier steigen die Kapazitäten. Vor allem Bayern ist hier ein Vorreiter mit derzeit 18 multimodal ausgestatteten Einrichtungen.

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Hilfe im Internet

  • Auf der Website der Deutschen Schmerzgesellschaft (DGS) findet man Schmerzzentren in seiner Nähe.
  • Auf den Seiten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung findet man Ärzte mit dem Zusatztitel „Spezielle Schmerztherapie“
  • Die Patientenorganisation Deutsche Schmerzliga e.V. bietet viermal die Woche mit dem Schmerztelefon eine telefonische Beratung für Schmerzpatienten an: Montag, Mittwoch und Freitag von 9:00 – 11:00 Uhr (Tel.: 06171 / 28 60-53), Montag von 18:00 – 20:00 Uhr (Tel.: 06201 / 60 49 415)
  • Selbsthilfegruppen für Betroffene von Nervenschmerzen und chronische Schmerzen findet man über die Kontaktstelle NAKOS, bei SchmerzLOS e.V. und ebenfalls auf den Seiten der Deutschen Schmerzliga
  • Eine umfassende Liste der Reha-Kliniken für chronische Schmerzpatienten findet sich unter www.rehakliniken.de. Hier können Sie die Auflistung der Kliniken nach der Indikation „Chronische Schmerzen“ und nach weiteren Kriterien einschränken.
  • Psychologische Betreuung kann die Selbstwirksamkeit des Patienten stärken. Gewöhnliche Psychotherapeuten haben oft wenig Erfahrung im Umgang mit Schmerzpatienten, mittlerweile gibt es aber die Fortbildung „Spezielle Schmerz-Psychotherapie“. Bei der DGPSF findet sich eine Liste zertifizierter Schmerzpsychotherapeuten.
  • Ein wichtiges Instrument in der Schmerzdiagnostik ist der subjektive Bericht des Patienten. Eine umfassende Selbstbefragung erfolgt über den Deutschen Schmerzfragebogen der DGSS. 

Hinweis: Betreuen Sie selbst eine Einrichtung oder Selbsthilfegruppe für Schmerzpatienten, die Sie hier vorstellen möchten? Dann wenden Sie sich bitte an uns unter info@nervenschmerz-ratgeber.de

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Wohin zur Behandlung? Einrichtungen für die Schmerztherapie

Praxen für Schmerztherapie und psychologische Betreuung von Schmerzpatienten

In Deutschland gibt es rund 3000 Arztpraxen, die eine Schmerzbehandlung anbieten. Meist handelt es sich um Anästhesiologen oder Orthopäden, die eine Weiterbildung zum Speziellen Schmerztherapeuten absolviert haben. Auch die Bezeichnung „Algesiologe“ weist auf einen speziell geschulten Schmerzmediziner hin. Zudem gibt es einige niedergelassene Psychologen und Psychotherapeuten, die sich als zertifizierte Schmerz-Psychotherapeuten auf die Betreuung von Schmerzpatienten spezialisiert haben.

  Auch interessant: Was behandelt ein Schmerztherapeut?

Schmerz-Tagesklinik und Schmerzambulanz

Schmerzambulanzen und Tageskliniken sind meist größeren Krankenhäusern wie Universitätskliniken angegliedert. Ein Vorteil dieser ambulanten Einrichtungen liegt einerseits darin, dass sich Patienten, die noch mobil sind und in der Nähe wohnen, tagsüber dort aufhalten können und abends nach hause können. Ein andere Besonderheit ist, dass sich hier ein ganzes Team aus den im Haus ansässigen Spezialisten verschiedener Disziplinen wie Anästhesie, Orthopädie oder Neurologie um Patienten mit akuten und chronischen Schmerzen kümmert. Außerdem finden sich hier meist auch Psycho- und Physiotherapeuten, sodass dem Patienten Stress und weite Wege erspart bleiben und eine abgestimmte interdisziplinäre Diagnostik, Behandlung und Therapiekontrolle durchgeführt werden kann. 

Schmerzklinik (Klinik für Schmerztherapie) und Schmerz-Rehaklinik

In stationären Schmerzkliniken werden Patienten mit besonders schweren chronischen Schmerzen oder Akutschmerzen wie Rückenschmerzen oder Nervenschmerzen, die spezielle medizinische Fürsorge benötigen, interdisziplinär behandelt. Schmerzkliniken haben verschiedene Behandlungsschwerpunkte. Einige haben sich spezialisiert auf neurologische Schmerzerkrankungen. Menschen, bei denen ambulante oder medikamentöse Therapien nicht greifen, finden hier Hilfe. Ausgehend von der individuellen Krankengeschichte entwickelt ein Ärzte- und Therapeutenteam einen mehrwöchigen Behandlungsplan, der medizinische sowie psycho- und physiotherapeutische Verfahren umfasst. Die Intensivbetreuung in einer Schmerzklinik hilft dem Patienten, ein Verständnis für das eigene Schmerzbild zu entwickeln. Therapieformen wie Bewegungstherapie, Kunsttherapie, Achtsamkeitsübungen und psychologisches Schmerzbewältigungstraining können helfen, sich aus der Isolation zu befreien und wieder aktiv ins berufliche und soziale Leben hineinzufinden. 

Schmerz-Rehakliniken haben in der Regel einen orthopädischen oder psychosomatischen Schwerpunkt. Die Ärzte und Therapeuten dieser Einrichtungen verfügen über eine auf Schmerz spezialisierte Qualifikation und setzen auf individuell abgestimmte Behandlungskonzepte: Es geht darum, die Patienten zu „aktivieren“, eine sozialmedizinische Einschätzung des Leistungsvermögens vorzunehmen und Hilfen zur beruflichen Wiedereingliederung  zu geben. Ein Aufenthalt dauert im Mittel drei bis sechs Wochen und kann stationär oder auch teilstationär erfolgen. Beantragt wird eine Rehabilitationsmaßnahme in der Regel mit dem Haus- oder Facharzt beim zuständigen Rentenversicherungsträger oder über die Krankenkasse.

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Liebe Leser,
die Inhalte unseres Nervenschmerz-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Dr. med. Henrike Ottenjann, Ärztin und Fachjournalistin für Medizin