Ursachen und Symptome

Nervenschmerzen bei Gefäß- und Autoimmunerkrankungen

Zuletzt aktualisiert am: 23.06.2016 17:01:09
Nervenschmerzen bei Gefäß- und Autoimmunerkrankungen

Nervenschmerzen treten auch bei sogenannten Autoimmunerkrankungen auf. Bei Autoimmunerkrankungen verändert sich das Immunsystem und richtet sich gegen körpereigenes Gewebe. Im Zusammenhang mit diesem Krankheitsbild werden akute und chronische immunvermittelte Neuropathien unterschieden.

Ursache Autoimmunerkrankungen

Beim Guillain-Barré-Syndrom handelt es sich um eine akute entzündliche Erkrankung des peripheren Nervensystems. Das Vollbild der Erkrankung zeigt sich innerhalb von vier Wochen. Die Anzahl der Neuerkrankungen pro Jahr liegt in Deutschland bei unter zwei Erkrankungen pro 100.000 Einwohnern, wobei die Häufigkeit der Erkrankungen mit steigendem Alter zunimmt. Vermutet wird, dass es sich ursächlich um eine Überreaktion des Immunsystems nach einer viralen oder bakteriellen Infektion (meistens Atemwegsinfektion oder Gastroenteritis), nach einem Insektenstich oder auch nach Impfungen handelt.

In Kombination mit einer genetischen Veranlagung kommt es zu einer fehlgeleiteten Immunantwort nicht nur gegen den Erreger, sondern auch gegen Strukturen peripherer Nerven. Einige Tage oder Wochen nach einer Infektion kommt es zu allgemeiner Schwäche, zunehmenden Empfindungsstörungen, Reflexverlusten, vegetativen Störungen und Lähmungserscheinungen in Beinen und Armen, im Nacken und der Atemmuskeln. Das Guillain-Barré-Syndrom ist potenziell lebensgefährlich, aber zu behandeln. Zwar erholen sich die meisten Patienten vollständig, dies kann jedoch Monate oder noch länger dauern.

Eine weitere Immunneuropathie ist die chronische inflammatorische demyeliniserende Polyneuropathie (CIDP). Ihre Symptome sind symmetrische Lähmungen sowie sensible Störungen der Arme und Beine. Auch eine Hirnnervenbeteiligung kann vorkommen, insbesondere eine Beteiligung des Nervus facialis. Die CIDP nimmt bei etwa zwei Drittel der Patienten einen fortschreitenden chronischen Verlauf, bei einem Drittel tritt sie schubförmig auf. Die CIDP kann in Zusammenhang mit anderen Immunkrankheiten wie Lymphomen, entzündlichen Darmerkrankungen, HIV-Infektion, systemischem Lupus erythematodes oder Hepatitis B und C auftreten.

In seltenen Fällen kann eine Immunneuropathie nach einer Knochenmarks- oder auch Organtransplantation im Rahmen einer Graft-versus-Host-Erkrankung (Abstoßungsreaktion) auftreten und dann z.B. zu einer CIDP führen.

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Ursache Gefäßerkrankungen

Eine Polyneuropathie kann auch ein Ausdruck von Durchblutungsstörungen sein. Ein Beispiel ist die periphere arterielle Verschlusskrankheit, kurz pAVK. Durch die Schädigung von nervenversorgenden Gefäßen z.B. durch Kalkablagerungen kommt es zu Versorgungsengpässen der Nerven. Die peripheren Nerven werden unzureichend durchblutet und ernährt. In den betroffenen Bereichen entsteht eine Neuropathie.

Polyneuropathien können sich auch im Rahmen von Gefäßentzündungen (Vaskulitiden) entwickeln. Gefäßentzündungen treten im Bereich peripherer Nerven auf, dort aber nur relativ selten. Meist sind sie Teil einer systemischen Vaskulitis (Entzündung aller Blutgefäße im Körper) z.B. bei Rheumatoider Arthritis. Patienten mit entzündlichen Neuropathien, hervorgerufen durch eine Gefäßentzündung, leiden charakteristischerweise unter einem auf einen bestimmten Bereich begrenzten tiefen Schmerz und anfallsartig auftretenden Schmerzattacken. Diese können akut auftreten, aber auch schleichend und schubförmig über Wochen und Monate. Die richtige Diagnose ist wichtig, denn dieses Krankheitsbild ist gut zu behandeln.

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die Inhalte unseres Nervenschmerz-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Dr. med. Henrike Ottenjann, Ärztin und Fachjournalistin für Medizin