Ursachen und Symptome

Allgemeine Symptome bei Nervenschmerzen: Wie äußert sich eine Neuropathie?

Zuletzt aktualisiert am: 04.08.2016 16:56:39
Allgemeine Symptome bei Nervenschmerzen: Wie äußert sich eine Neuropathie?

Was sind neuropathische Schmerzen?

Nervenschmerzen werden auch neuropathische Schmerzen genannt, in Deutschland leiden etwa fünf Millionen Menschen daran. Als Neuropathie werden alle Erkrankungen des peripheren Nervensystems bezeichnet. Im Unterschied zu Rücken- oder Kopfschmerzen liegt hier eine schmerzhafte Nervenschädigung zugrunde. Unabhängig von der Art der Entstehung – mechanisch, entzündlich, stoffwechselbedingt, toxisch – werden unter dem Begriff Neuropathie alle Erkrankungen des peripheren Nervensystems zusammengefasst.

Neuropathische Schmerzen sind die direkte Folge einer Schädigung von sensiblen und sensorischen und motorischen Fasern des Nervensystems und unterscheiden sich dadurch von Rückenschmerzen, Kopfschmerzen oder auch Tumorschmerzen. Diese Nervenschädigungen können mit der Zeit irreversibel werden, das heißt, sie bilden sich nicht mehr zurück. Die Folge davon ist, dass der neuropathische Schmerz chronisch wird. Typisch für neuropathische Schmerzen ist eine Veränderung der Hautsensibilität. Reize wie Kälte, Hitze oder Berührungen werden stärker oder oder kaum empfunden. 

Als Neuropathie (NP) wird die schmerzhafte Schädigung eines einzelnen Nerven bezeichnet, wenn viele Nerven betroffen sind, spricht man von einer Polyneuropathie (PNP). Dementsprechend treten entweder lokale oder aber diffuse Schmerzen auf.

Charakteristisch für beide Formen sind:
  • brennende Spontanschmerzen
  • anfallsartig einschießende Schmerzattacken
  • oder durch äußere Reize ausgelöste Schmerzen.

Typische Symptome sind:

  • Kribbeln, „Ameisenlaufen“
  • Stechen, Elektrisieren
  • Pelzigkeit
  • taubes Gefühl, kein Temperaturempfinden, schmerzlose Wunden
  • oder auch unangenehmer Druck

Infolge einer Neuropathie gehen die normalen Reflexe verloren und die Muskelkraft schwindet. Zudem heilen Wunden schlecht, weil sie oft erst spät bemerkt werden. Krankheiten, die normalerweise mit Schmerzen einhergehen, werden spät oder zu spät behandelt, da die Warnsignale des Körpers ausbleiben. Ein typisches Beispiel ist der „stumme Infarkt“ bei einem Diabetiker mit diabetischer Neuropathie. Der Verlauf einer Neuropathie kann akut oder auch chronisch sein. Die Ausprägung können symmetrisch im Körper oder asymmetrisch auftreten, im Bereich des oberen oder des unteren Körpers.

Die Ausprägung neuropathischer Schmerzen wird in der Forschung genau beschrieben:
  • Allodynie: Schmerz durch einen Reiz, der normalerweise keinen Schmerz verursacht
  • Analgesie: Abwesenheit von Schmerz in Antwort auf einen Reiz, der normalerweise Schmerz verursacht
  • Hyperalgesie: verstärkte Reaktion auf einen Reiz, der normalerweise Schmerz verursacht
  • Hyperästhesie: Steigerung der Empfindlichkeit auf Stimulation
  • Hyperpathie: übermäßig schmerzhafte Reaktion sowohl auf einen Reiz als auch auf eine Steigerungsschwelle
  • Hypoalgesie: verringerte Reaktion auf einen Reiz, der normalerweise Schmerz verursacht
  • Hypoästhesie: Verringerung der Empfindlichkeit auf Stimulation
  • Parästhesie: nicht normale Empfindung, spontan oder evoziert
  • Dyästhesie: unangenehme, nicht normale Empfindung, spontan oder evoziert
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Wie beschreibt man Schmerzen?

Schmerzen sind aber nur das Symptom einer Erkrankung. Erst die richtige Beschreibung führt zur richtigen Diagnose und damit auch zur richtigen Therapie. Wichtige Faktoren für die Beschreibung neuropathischer Schmerzen und Schmerzen im Allgemeinen sind ihre Intensität, ihre Lokalisation, Charakteristik und Veränderung.

Das wichtigste Element der Schmerzbeschreibung ist die Schmerzintensität, denn diese ist stets subjektiv. Dies gilt für die Diagnose, aber auch die Unterscheidung in Schmerzattacke oder chronischen Schmerz, für die Veränderung von Schmerzintensitäten über die Zeit oder auch die Überprüfung einer Behandlung.

Fragen, die beantwortet werden müssen, sind:

  • Wie stark werden die Schmerzen empfunden?
  • Wie häufig werden sie bemerkt?
  • Wann und wie lange treten sie auf?

Gemessen wird dieses anhand verschiedener Tests, der bekannteste Test ist die visuelle Analogskala (VAS).

Welche Bedeutung hat die Schmerzlokalisation?

Wichtig ist es, den genauen Ort der Schmerzen zu bestimmen: Lässt sich die schmerzende Stelle lokal begrenzen oder sind ganze Gebiete bzw. mehrere Körperbereiche betroffen? Gibt es einen Hauptschmerz und weitere Orte mit geringeren Schmerzen? Ort und Art der Schmerzen können genauer eingegrenzt werden durch Markierungen in Körperschemata. Dies dient am Ende der Therapieplanung und ist ein wichtiger Entscheidungsfaktor, ob etwa PhysiotherapieTENSNervenstimulation, Neurolysen, Regionalanästhesieverfahren oder Medikamente zum Einsatz kommen.

Was sagen die Schmerzcharakteristika aus?

Neben der Intensität und Lage der Schmerzen ist die Art des Schmerzes wichtig, denn sie führt zu einer Unterscheidung in somatischen (lokalisierten Schmerz), viszeralen (schlecht lokalisiert) und neuropathischen Schmerz. Ein spezieller Fragebogen, der von den deutschen Schmerzgesellschaften DGS und DGSS entwickelt wurde, erfasst die sensiblen und sensorischen Arten des Schmerzes: Ist er brennend, stechend, scharf, dumpf? Oder eher furchterregend, grausam, zermürbend, unerträglich, kalt, fordernd, durchdringend? Zusätzlich geht es bei der Beschreibung der Schmerzcharakteristik um das Ausmaß und den Einfluss auf die Lebensqualität.

Welche Zeichen stecken hinter den Veränderungen der Schmerzen?

Verändern die Schmerzen ihre Intensität, ihren Schmerzort (Lokalisation) oder auch ihre Charakteristika, dann sind das Zeichen für ein Fortschreiten einer Erkrankung und Zunahme der Chronifizierung. Aber: Sie können aber auch Zeichen für eine Besserung und das Anschlagen einer Behandlung sein. Für die Bewertung ist es bedeutend, alles zu dokumentieren: Dauer und Häufigkeit des Schmerzes, Schmerzlokalisation, persönliche Ereignisse in Zusammenhang mit dem Schmerz (Arztwechsel, Krankenhausaufenthalt, OPs, Reha-Maßnahmen).

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die Inhalte unseres Nervenschmerz-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Dr. med. Henrike Ottenjann, Ärztin und Fachjournalistin für Medizin