Ursachen und Symptome

Rückenschmerzen aufgrund von Nervenreizungen

Zuletzt aktualisiert am: 18.10.2016 10:13:01
Rückenschmerzen aufgrund von Nervenreizungen

So gut wie jeder Deutsche leidet in seinem leben mindest einmal an Rückenschmerzen, das Weißbuch Schmerz beziffert die Zahl der Betroffenen auf 80 Prozent der Bevölkerung. Bei fast jedem dritten Betroffenen werden die Schmerzen chronisch. Volkswirtschaftlich ist das ein großes Problem: Hinter beinahe der Hälfte der gemeldeten Arbeitsfehltage steckt die Diagnose Rückenschmerzen. Die Schmerzen sind in den meisten Fällen Folge einer Funktionsstörung oder muskulärer Verspannungen, die nach relativ kurzer Zeit wieder abheilen. Allerdings leiden bis zu 37 Prozent aller Rückenschmerzpatienten an einer vorwiegend neuropathischen Schmerzkomponente, denn häufig trägt eine Nervenreizung zu einem ausstrahlenden Rückenschmerz bei, ohne dass es zu einer Nervenschädigung gekommen ist.

Die möglichen Ursachen für Rückenschmerzen sind vielfältig. Der Ursprung kann im Bereich der Wirbelsäule, der Gelenke, Bandscheiben, Bänder oder der Muskulatur liegen. Der Schweregrad der Rückenschmerzen und die resultierenden Beeinträchtigungen sind sehr unterschiedlich. Das Spektrum reicht von einfachen und im Verlauf unproblematischen Beeinträchtigungen bis hin zu ernsthaften Krankheiten, die jedoch eher selten sind. Generell ist es wichtig, zu Beginn ernsthafte Erkrankungen als Ursache der Schmerzen auszuschließen. Rückenschmerzen sind akut abzuklären, wenn sie in Folge eines Unfalls oder Sturzes auftreten, wenn sie mit Fieber einhergehen, wenn Lähmungserscheinungen oder Probleme im Bereich von Blase und Mastdarm auftreten, wenn Taubheitsgefühle in den Beinen entstehen oder wenn ein Tumor oder eine Osteoporose bekannt sind.

Hexenschuss

Der Hexenschuss ist ein funktionelles Problem des Rückens: Strapazierte Muskeln und Bänder im Kreuz arbeiten nicht mehr harmonisch zusammen. Die Rückenmuskulatur rund um die Wirbelsäule ist verspannt, geschwächt oder verkürzt. Es kommt zu Muskelverspannungen, Muskelzerrungen oder Wirbelgelenksblockierungen. Typische Symptome sind plötzliche, heftige Kreuzschmerzen.

Ein Hexenschuss tritt häufig nach einer längeren Dauerhaltung mit einer anschließenden aufrichtenden Bewegung z.B. bei der Gartenarbeit auf. Ein anderer Mechanismus ist die einmalige Überlastung etwa beim Anheben eines schweren Gegenstandes. In beiden Fällen bereitet danach jede Bewegung Schmerzen: Bücken, Aufrichten, Drehen oder Heben. Beim Niesen, Husten oder Pressen wird es schlimmer, die Schmerzen nehmen zu. Nervenschädigungen sind bei Hexenschuss nicht die Ursache der Schmerzen. Wenn es aber zu ausstrahlenden Schmerzen in ein Bein führt, kann das ein Hinweis auf einen Bandscheibenvorfall oder eine Bandscheibenvorwölbung sein. Auch eine Verengung im Spinalkanal kommt infrage. Dies sollte dann von einem Arzt abgeklärt werden.

Anzeige

Ischias/Ischialgie

Bei einer Ischialgie ist ein einzelner Nerv des peripheren Nervensystems, der Nervus ischiadicus, als Folge einer Wurzelreizung entzündet. Es kommt zu plötzlichen, heftigen Kreuzschmerzen. Diese treten im tieferen Bereich der Wirbelsäule auf und strahlen ins Gesäß, die Leiste oder weiter entlang der Außen- und Rückseite des Oberschenkels oft bis in die Waden, zum Knöchel und Fuß. Es ist möglich, dass Taubheitsgefühle und Lähmungserscheinungen auftreten. Ursachen liegen meist im Bereich der Bandscheibe, Wirbelgleiten, Verengung des Spinalkanals, Nervenwurzelentzündungen, Blutungen im Rückenmark, Durchblutungsstörungen, Tumore oder Metastasen.

Anzeige

Bandscheibenvorfall

Eine Bandscheibenschädigung entsteht durch erhöhten Druck auf das Rückenmark und/oder die Nervenwurzeln. Dadurch werden einzelne Nerven oder Nervenwurzeln des peripheren Nervensystems gereizt. Als Folge entstehen Schmerzen, die über den gereizten Nervus ischiadicus in die Beine (Ischialgie) oder gereizte Nerven des Plexus brachialis in die Arme (Brachialgie) ausstrahlen können. Es können Taubheitsgefühle und Lähmungserscheinungen hinzukommen.

Bandscheibenschäden können durch genetische Faktoren verursacht sein. Meistens aber sind altersbedingte Verschleißerscheinungen, Überlastungen und schwache Rücken- und Bauchmuskulaturen die Ursache. Bestimmte Bewegungen, Übergewicht und sitzende Tätigkeiten können Verschleißerscheinungen erheblich beschleunigen. Als Folge des Verschleißes verlieren die Bandscheiben an Flüssigkeit und sind weniger elastisch. Bei Belastungen wie Vornüberneigen oder einseitigem Tragen werden sie einem erhöhten Druck ausgesetzt und zusammengedrückt. Anschließend können sie sich nicht mehr in ihre Ausgangsform zurückdehnen und verlieren insgesamt an Höhe. Die Versorgung des Gewebes ist gestört, die Bandscheibe trocknet aus und wird porös, bekommt leichte Risse und kann kaputt gehen.

Bandscheibenschäden können in drei Formen auftreten. Unterschieden wird zwischen

  • einer Vorwölbung der Bandscheibe (Protrusion) in den Spinalkanal, das ist der knöcherne Kanal der Wirbelsäule,
  • einer Verletzung des Faserrings der Bandscheibe (Prolaps)
  • und einem verrutschten Prolaps (Sequester).

Bei der Protrusion kommt es zur Verlagerung des Bandscheibenkerns, wobei der äußere Faserring intakt bleibt. Beim Prolaps hingegen kommt es zur Verletzung des Faserringes, bei der sich ein Teil seines Kerns aus ihm herauspresst. Schert ein Teil der Gallertmasse in den Wirbelkanal aus, dann liegt ein Sequester vor – ein verrutschter Bandscheibenvorfall.

Die Behandlung von Bandscheibenschäden beinhaltet operative und nicht-operative Maßnahmen. In einigen Fällen können manuelle Therapien, Muskelaufbau, Wärmezufuhr, Elektrotherapie und entzündungs- und schmerzreduzierende Medikamente hilfreich sein. Bei Prolaps oder Sequester sind vielfach weitergehende Maßnahmen sinnvoll. Je nach Situation können z.B. der Einsatz von künstlichen Bandscheiben oder eine Versteifung einzelner Wirbelsäulensegmente helfen.

Weiterlesen

Service

Anzeige
Apotheke
finden
oder
Kaufen Sie Keltican forte bei in einer Apotheke in Ihrer Nähe
Liebe Leser,
die Inhalte unseres Nervenschmerz-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Dr. med. Henrike Ottenjann, Ärztin und Fachjournalistin für Medizin