Ursachen und Symptome

Psychische Ursachen: Nervenschmerzen und Psychosomatik

Zuletzt aktualisiert am: 21.03.2016 16:46:47
Psychische Ursachen: Nervenschmerzen und Psychosomatik

Schmerzwahrnehmung ist ein dynamischer Prozess. Unser Unterbewusstsein spielt eine große Rolle, wenn es um die Empfindung von Schmerzen geht – dies gilt sowohl für akute als auch chronische Schmerzen. Die Psyche beeinflusst, wie stark und wie lange ein Schmerz wahrgenommen wird. Positive Gedanken können dazu beitragen, dass Schmerzen sich schnell verflüchtigen. Andererseits können sie sich auch verstärken, wenn man sich in eine Situation hineinsteigert und stets mit dem Schlimmsten rechnet.

Auch Erinnerungen an frühere Schmerzerfahrungen können die Reizinterpretation beeinflussen, das Verhalten steuern und den Leidensdruck verstärken. Dabei aktivieren körperliche Verletzungen und soziale Verluste die gleichen Hirnregionen. Auch akute Schmerzreize und Angstreize aktivieren ähnliche Strukturen im Gehirn. Schmerzen, die durch das Gefühl der Angst ausgelöst werden, können durch akustische, visuelle und geruchliche Umgebungsreize hervorgerufen und verstärkt werden.

Der Körper als Ventil der Psyche

Der Mensch besitzt ein Schmerzgedächtnis: Entzündete oder durchtrennte Nervenfasern können dauerhaft Schmerzimpulse senden. Benachbarte Nerven oder Fasern im Rückenmark geraten in einen Alarmzustand, werden sensibilisiert und empfindlicher für ankommende Reize. Das Gehirn registriert die andauernden Schmerzsignale und konzentriert sich immer mehr auf das lästige Stechen, Ziehen oder Pochen – auch wenn der ursprüngliche Auslöser gar nicht mehr da ist.

Besonders effizient speichert das Gehirn den Schmerz, wenn die körperliche Belastung mit negativen Gefühlen wie Ärger, Trauer, Angst oder auch Stress verknüpft ist. Das kann so weit gehen, dass bei manchen Schmerzpatienten keinerlei körperliche Ursachen zu finden sind. Der Körper wird zum Ventil der Psyche, um auf Leiden aufmerksam zu machen. Diese Schmerzen werden durch Störungen des vegetativen Nervensystems ausgelöst und sind meist eine Reaktion auf beruflichen Leistungsdruck, Versagensangst oder private Probleme.

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Chronische Schmerzen und die Folgen

Hält ein Schmerzzustand länger als sechs Monate an, geraten Patienten oft in einen Teufelskreis aus Stress und Schmerz. Chronische Schmerzen sind entstanden, die die eigentliche körperliche Ursache überlebt haben. Die Ursachen sind meist in der Psyche verortet. So kann ein Schmerz mit einer körperlichen Ursache wie z.B. einem Bandscheibenvorfall leicht chronisch werden, wenn der Patient zusätzlich erhöhtem Stress ausgesetzt und die psychische Verarbeitung der Erkrankung beeinträchtigt ist.

Auch schmerzbezogene Angst und damit einhergehende zunehmende Passivität, Schon- und Fehlhaltungen können zur Aufrechterhaltung eines Schmerzes beitragen. Manche Patienten denken an kaum etwas anderes als an ihr Schmerzerleben, ihr Körperempfinden und mögliche Krankheitsfolgen. Chronische Schmerzen schränken die Lebensqualität ein. Alltägliche Vorgänge wie Waschen, Anziehen, Bücken, Sitzen, Stehen oder Gehen werden zur Qual. Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit und Erschöpfung können hinzukommen. Bei Schmerzpatienten steht der Schmerz im Mittelpunkt des Lebens. Ein unbeschwertes Leben ist ihnen nicht möglich, emotionale Grenzbelastungen wie Verzweiflung, Demoralisierung, Wut und Einsamkeit gehören zu ihrem Alltag. Die Überzeugung körperlich nicht mehr belastbar zu sein, führt zu familiären, sozialen und existenziellen Konsequenzen.

Nicht zuletzt spielt auch die Einstellung zum Schmerz eine Rolle. Daher arbeiten mittlerweile viele Schmerztherapeuten in Schmerzambulanzen und Schmerzzentren mit Fachärzten für Anästhesie und Orthopädie sowie Psychologen zusammen. Patienten, die an einem  Schmerzprogramm teilnehmen, bekommen nicht einfach ein Medikament, sondern lernen im Gespräch mit den Therapeuten, wie sich der Teufelskreis aus Schmerzen, Angst und immer mehr Schmerzen durchbrechen lässt.

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die Inhalte unseres Nervenschmerz-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Dr. med. Henrike Ottenjann, Ärztin und Fachjournalistin für Medizin