Ursachen und Symptome

Neuropathien durch Stoffwechselerkrankungen

Zuletzt aktualisiert am: 23.06.2016 17:08:44
Neuropathien durch Stoffwechselerkrankungen

Neuropathien können infolge von Erkrankungen der Leber, der Niere, der Schilddrüse oder der Lunge auftreten oder im Zusammenhang mit einem Diabetes mellitus stehen.

Ursache Stoffwechselerkrankungen

90 Prozent der Patienten mit Leberzirrhose leiden an Nervenschmerzen aufgrund einer Polyneuropathie, wobei es keine Zahlen gibt, wie hoch der Anteil der Patienten ist, die keine alkoholbedingte Zirrhose haben. Betroffene erleiden Symptome wie Sensibilitätsverlust, Lähmungen und Reflexverluste.

Drei von vier Patienten haben zudem Störungen des autonomen unwillkürlichen Nervensystems, das auf das Herz-Kreislaufsystem, die Atmung, den Verdauungstrakt, das Urogenitalsystem und den Stoffwechsel Einfluss hat. Es gibt keine spezifische Therapie. Die einzige Option ist eine Lebertransplantation. Weitere Erkrankungen der Leber, die zu Polyneuropathien führen sind: Porphyrie, Hepatitis B und C, primär biliäre Zirrhose, Vitamin-E-Mangel bei mangelhafter Aufnahme des Vitamins in den Körper und Alkoholmissbrauch.

Infolge eines Nierenfunktionsverlustes kann es zu einer sogenannten urämischen Polyneuropathie kommen – einer Nervenschädigung, deren Ursache noch unbekannt ist. Sie tritt bei 50 bis 60 Prozent aller nierengeschädigten Patienten auf und verschlimmert sich mit dem Grad der Nierenschädigung. Bei frühzeitiger Dialyse ist diese Nebenerkrankung zu vermeiden, denn erst ab einem bestimmten Nierenwert im Blut (Kreatininspiegel über 5 mg/dl) entwickelt sich eine Neuropathie. Symptome sind ggf. Parästhesien, Dysästhesien, Muskelkrämpfe und Beschwerden im Sinne eines Restless-Leg-Syndroms (Syndrome der ruhelosen Beine). Außerdem kann es zu motorischen und vegetativen Störungen kommen.

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Ursache Schilddrüsenerkrankungen

Eine Schilddrüsenunter- oder überfunktion kommt einem Ernährungsmangel oder Fehlernährung gleich und kann Axone und Markscheiden schädigen. Dies kann zu einer sensomotorischen Neuropathie führen. Eine Unterfunktion der Schilddrüse, eine sogenannte Hypothyreose, kann eine Polyneuropathie auslösen. Eine Unterfunktion wiederum begünstigt die Entstehung eines Engpass-Syndroms, z.B. Karpaltunnelsyndrom. Es kommt zu einer vermehrten Ansammlung von Zuckermolekülen (Mucopolysaccharide) in Sehnen und Gelenkflüssigkeit des Karpaltunnels. Durch die Gabe von Schilddrüsenhormonen über Medikamente gehen die Symptome wieder zurück, sodass eine Operation meist nicht erforderlich ist.

Patienten mit einer COPD (chronisch-obstruktive Lungenerkrankung) können bedingt durch einen Sauerstoffmangel im Blut eine sensomotorische Polyneuropathie entwickeln.

Ursache Zuckerkrankheit (Diabetes)

Fast jede dritte Neuropathie steht im Zusammenhang mit einem Diabetes Mellitus. Bis zu 40 Prozent der Diabetiker haben außerdem Zeichen einer Polyneuropathie, bei der gleich mehrere Nerven geschädigt sind. Ständig erhöhte Blutzuckerkonzentrationen bei dauerhaft schlecht eingestelltem Diabetes führen dazu, dass sich im Nervengewebe quasi als Nervengift Zucker und dessen Abbauprodukte anreichern. Die Polyneuropathie entsteht als direkte Folge der Stoffwechselveränderungen und als Folge der Veränderungen in den Gefäßen.

Aus Nervenschädigungen in den unteren Extremitäten entwickeln sich Gefühlsstörungen der Füße mit der Folge, dass Druckstellen und Verletzungen kaum oder gar nicht auffallen. Druckbelastung wie Schwielen an den betroffenen Stellen, die normalerweise sehr schmerzhaft sind, werden durch die Neuropathie nicht wahrgenommen. Es kann ein Hautgeschwür, ein sogenanntes Ulkus, entstehen. Diese Geschwüre heilen oft schlecht ab, im schlimmsten Fall kommt es zur Amputation des betroffenen Fußes. Diese Komplikation wird durch einen zusätzlichen neuropathisch bedingten Ausfall der Schweißdrüsenfunktion und durch die häufig damit einhergehende trockene Haut begünstigt.

Um die Gefahr einer diabetischen Polyneuropathie zu verringern, sollte der Blutzucker in den Normgrenzen eingestellt werden. Dies gilt sowohl für insulinpflichtige Typ-I-Diabetiker als auch für Patienten mit so genanntem Alterszucker (Diabetes Typ II). Zur Behandlung der Schmerzen werden vor allem Antidepressiva und Antikonvulsiva eingesetzt, zum Teil in Kombination mit starken Schmerzmitteln (Analgetika) und physikalischer Therapie.

Linktipp: Offizielle Patientenleitlinie zu Nervenschädigungen bei Diabetes.
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Ihre Dr. med. Henrike Ottenjann, Ärztin und Fachjournalistin für Medizin