Ursachen und Symptome

Neuropathien durch Alkoholmissbrauch und Mangelernährung

Zuletzt aktualisiert am: 21.03.2016 16:27:20
Neuropathien durch Alkoholmissbrauch und Mangelernährung

Nervenschmerz ist eine Erkrankung, die Alkoholiker besonders häufig trifft, denn Alkohol ist ein Nervengift. Hinzu kommt, dass Alkoholismus häufig mit Mineralstoff- und Vitaminmangelerscheinungen einhergeht. Aber auch andere toxische Faktoren können den Stoffwechsel beeinflussen und das Nervensystem angreifen.

Ursache Alkoholsucht

Nervenschmerz ist eine Erkrankung, die besonders Alkoholiker häufig betrifft: Die Alkohol-Polyneuropathie tritt bei Männern häufiger auf als bei Frauen und steht in Deutschland an zweiter Stelle als Auslöser für Nervenschädigung und Missempfindungen. Zwischen 20 und 40 Prozent aller Alkoholabhängigen leiden unter Polyneuropathien, bei denen mehrere Nerven schmerzhaft beschädigt sind. Alkoholmissbrauch führt zu einer Polyneuropathie mit sensiblen und motorischen Ausfällen und einer Vitaminmangel-Neuropathie. Nach täglichem Konsum von mindestens 100 ml Ethanol über drei Jahre hinweg ist mit Nervenschmerzen zu rechnen.

Dafür ist zum einen der Mangel am Vitamin Thiamin verantwortlich, der bei Alkoholikern gerade bei falscher Ernährung oft besteht und zu Schädigungen der peripheren Nerven führt. Andererseits wirkt der Alkohol selbst als Nervengift und greift die Nervenbahnen an. Die Alkohol-Polyneuropathie tritt überwiegend in den unteren Extremitäten auf und ist meist symmetrisch angeordnet. Hände und Beine müssen nicht immer gleichzeitig betroffen sein. Erste Symptome sind Taubheit, Kribbeln und Schmerzen in den Füßen, Beinen und/oder Händen.

Häufigstes Symptom einer Alkohol-Polyneuropathie ist die Störung der Tiefensensibilität: Betroffene können nicht spüren, wann sie einen Fuß auf den Boden setzen. Schmerzen in den Beinen können durch geschädigte Nerven im Bereich von Unterschenkel und Fußbereich hervorgerufen werden und werden auch „Burning Feet“ genannt. Bei Schmerzen unter den Füßen verlagern einige Betroffene ihr Gewicht auf die Fußseiten. Eine Alkohol-Polyneuropathie kann sich auch durch Schmerzen und Schwäche in der Beinmuskulatur zeigen, insbesondere in den Waden. Dadurch werden Betroffene in ihrer Mobilität eingeschränkt. Weitere mögliche Symptome sind Störungen der Lage-, Oberflächen- und Temperaturempfindung.

Der Vitaminmangel führt zu Augenmuskellähmungen und verminderter Aufmerksamkeit. Weitere Anzeichen für einen Vitaminmangel sind Entzündungen der Haut, Durchfall und Demenz. Die Behandlung zielt in erster Linie darauf, den Konsum von Alkohol sofort zu stoppen. Bei nachgewiesenem Vitamin-B-Mangel kann zudem die Einnahme von nahrungsergänzenden Präparaten sinnvoll sein. Große Mengen davon wirken allerdings wie ein Nervengift und können eine Polyneuropathie eher hervorrufen als lindern. Eine alkoholbedingte Polyneuropathie kann einen chronischen Verlauf nehmen, wenn sie nicht rechtzeitig, abstinent und über Monate dauerhaft und konsequent behandelt wird.

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Ursache Vitaminmangel

Ist der Körper langfristig, wie im Fall der Alkoholabhängigkeit, von einem Vitamin-B6- und B1-Mangel betroffen, können Polyneuropathien auftreten. Auch Magen-Darmerkrankungen wie die Gastritis (chronische Entzündung des Magens) oder Magenteilentfernung können dazu führen, dass der Körper bestimmte Vitamine nicht mehr in ausreichender Menge aufnehmen kann. Allerdings ist das Risiko einer Polyneuropathie in diesen Fällen relativ gering.

Ähnlich verhält es sich mit einigen Medikamenten (z.B. Macumar) oder Nahrungsmitteln wie Kaffee, Shrimps oder auch Bohnen: Diese gelten als Antivitamine und können ebenfalls zu einem Vitaminmangel führen, in seltenen Fällen dann auch zu einer Neuropathie. Die Herausforderung besteht in der Diagnostik, denn manche Vitamine sind im Labor nur durch aufwändige und teure Technik nachweisbar.

Symptome bei Vitamin-B-Mangel

Vitamine des B-Komplexes gelten als Nervennahrung. Sie sind an der Regulation des Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweißstoffwechsels sowie an der Blutbildung beteiligt und regen den Stoffwechsel an. Aber auch für die Funktion der Nerven spielen sie eine wichtige Rolle, ebenso für ihre Regeneration und ihr Wachstum.

Neuropathien können durch einen Mangel an Vitaminen des B-Komplexes verursacht werden. In den meisten Fällen ist dafür eine Alkoholabhängigkeit oder Untergewicht verantwortlich, oft im Zusammenhang mit einseitiger und unzureichender Ernährung. So kann es zum Beispiel bei einem Vitamin-B1-Mangel zu Polyneuropathien, Augenmuskellähmungen, Müdigkeit, Aufmerksamkeitsstörungen sowie zu Kribbeln und Taubheitsgefühlen an Händen und Füßen kommen.

Ein Vitamin-B2-Mangel führt zu Entzündungen der Haut, Rissen in der Haut, zu Durchfall und Demenz. Trockene Haut, Entzündungen an den Lippen und im Mund, Blutarmut, Taubheitsgefühle und Schmerzen an Händen und Füßen oder Verwirrtheit können Zeichen eines Vitamin-B6-Mangels sein. Ein Mangel an Vitamin B9 (Folsäure) kann Blutarmut und sensible Neuropathien verursachen wie etwa ein herabgesetztes Schmerzempfinden oder verminderte Kälte-, Wärme- oder Druckempfindlichkeit. Bei einem Vitamin-B12-Mangel können Blutarmut sowie Störungen im Magen-Darm-Trakt und im Bereich der Tiefensensibilität resultieren.

Symptome bei Vitamin-E-Mangel

Vitamin E ist ein fettlösliches Vitamin und kommt in tierischen und pflanzlichen Nährstoffen vor. Mangelzustände an Vitamin E sind weniger die Folge einer Fehlernährung sondern eher ein Ergebnis einer gestörten Fettverdauung bei Gallen- oder Lebererkrankungen oder nach Operationen im Bereich des Dünndarms.

Ein Vitamin-E-Mangel (Alpha-Tocopherol) führt u.a. zu neurologischen Schäden wie peripherer Neuropathie und Beeinträchtigungen in der körperlichen Balance und Koordination. Dazu zählen Dystonie (Bewegungsstörung), Tremor (Zittern), Dysarthrie (Sprachstörung) und Ophthalmoparese (Augenmuskellähmung) können weitere Folgen sein. Die Diagnose erfolgt durch Bestimmung von Alpha-Tocopherol, das in Beziehung gesetzt wird zur Lipidkonzentration im Serum. Die Therapie besteht in der Gabe des Vitamins.

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Ursache Mineralstoffmangel

Neben Vitaminen braucht der Körper viele lebensnotwendige Mineralien. Kupfer beispielsweise ist wichtig für den Knochen- und Bindegewebsaufbau und kann bei ausgewogener Ernährung ausreichend über die Nahrung aufgenommen werden. Ein schwerer Kupfermangel aufgrund einer mangelhaften Aufnahme des Kupfers im Körper, einer exzessiven Zinkzufuhr, der Einnahme von Chelatbildnern oder einer parenteralen Ernährung kann zu neurologischen Störungen führen.

Hungerdystrophie oder Malabsorption (mangelnde Aufnahme von Nahrung aufgrund von Erkrankungen z.B. des Darms) können ebenfalls zu Neuropathien führen. Ein Sonderfall sind die Komplikationen in der Adipositas- und Magendarm-Chirurgie. Hier kommt es nach operativen Eingriffen immer wieder zu Polyneuropathien. Und – je nach Studie – lässt sich in beinahe jedem vierten Fall ein Vitaminmangel als Ursache feststellen, der Rest bleibt allerdings unklar.

Ursache Medikamente

Auch manche Medikamente haben einen schädigenden Einfluss auf Nervenstrukturen und Nervenzellen und können zu Polyneuropathien führen.

Dazu gehören u.a. 

  • Chemotherapeutika (Platine, Taxoide, Vincristin),
  • antiretrovirale Substanzen (bei HIV-Patienten),
  • manche Antibiotika,
  • Disulfiram,
  • Ethambutol,
  • Isoniazid,
  • Nitrofurantoin,
  • Thiouracil,
  • Chloramphenicol.

Ursache Gifte

Folgende Toxine können zu Polyneuropathien führen:

  • Acrylamid,
  • Arsen,
  • Clioquinol,
  • Dinitrophenol,
  • Ethylenoxid,
  • Pentachlorophenol,
  • Thallium,
  • Chloramphenicaol,
  • Isoniazid,
  • Gold,
  • Vincrisrtin,
  • Cisplatiun,
  • Nitrofurantoin.
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Liebe Leser,
die Inhalte unseres Nervenschmerz-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Dr. med. Henrike Ottenjann, Ärztin und Fachjournalistin für Medizin