Ursachen und Symptome

Mechanische Ursachen für Nervenschmerzen

Zuletzt aktualisiert am: 23.06.2016 17:09:41
Mechanische Ursachen für Nervenschmerzen

Äußere Einwirkungen können die Nerven nachhaltig beschädigen. Dafür können nicht nur Unfallverletzungen oder chirurgische Eingriffe als Ursache infrage kommen, auch bestimmte Krankheiten können das Nervensystem unter Druck setzen und schmerzhafte, mechanisch bedingte Neuropathien hervorrufen.

Mechanische Störungen können schmerzhafte Folgen für das Nervensystem haben. Sie entstehen als Folge von Druckschädigungen z.B. aufgrund anatomischer Enge (z.B. Karpaltunnelsyndrom, Engpass-Syndrom, Bandscheibenschäden) oder aufgrund von Tumoren. Betroffen können sowohl die motorischen als auch die sensiblen Nervenfasern sein.

Tumorbedingte Neuropathie

Auch Tumore (gut- und bösartig) oder Metastasen im Bereich des peripheren oder auch zentralen Nervensystems führen zu Einengungen oder Druck auf Nervenstrukturen. Eine Folge können Schmerzen, später auch das Absterben von Nervenzellen sein. Die Therapie ist entweder die operative Entfernung der Tumore oder Metastasen, ihre Einschmelzung mittels Strahlentherapie oder aber die reine oder auch zusätzliche Schmerztherapie nach dem WHO-Stufenschema.

Bösartige Erkrankungen können zu einem Einwachsen von Zellwucherungen in Knochen oder Weichteilen und dort zu direkten tumorbedingten Schmerzen führen. Aber auch eine schlechte Durchblutung und Versorgung der Nerven oder dauerhafter Druck auf Nerven-, Blut- oder Lymphgefäße können Schmerzen verursachen. Und nicht zuletzt sind auch Nekrosen, Geschwüre oder Einrisse direkte tumorbedingte Schmerzen.
Darüber hinaus können Schmerzen infolge von chirurgischen Behandlungen oder Verabreichung von Chemotherapien auftreten. Ferner gibt es tumorassoziierte Schmerzen durch Begleiterkrankungen wie Zosterneuralgie, Geschwüre, Pilzinfektionen oder Thrombosen. Völlig unabhängig vom Grundleiden kann es zu Kopfschmerzen und Gelenkschmerzen (Arthritiden) kommen.

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Neuropathie nach Wurzelabriss

Kommt es infolge von Unfällen und/oder Operationen zu Wurzelabrissen bzw. Nervendurchtrennungen, so resultieren auch hier Nervenschmerzen.

Neuropathie bei Engpass-Syndrom (z.B. Karpaltunnelsyndrom)

Bei einem Engpass-Syndrom werden periphere Nerven etwa durch Knochen, Bänder, Muskeln oder Bindegewebe zusammengedrückt (komprimiert). So kann es zum Beispiel nach Operationen zu einer vermehrten Bildung von Bindewegebe kommen, das zu einer solchen Einengung führt. Fehlhaltungen am Arbeitsplatz können ebenfalls dazu führen, dass Nerven dauerhaft verletzt werden. Symptome eines Engpass-Syndroms sind Störungen der Sensibilität unterhalb der geschädigten Körperstelle. Die auftretenden Schmerzen sind brennend, stechend, einschneidend, kribbelnd oder auch elektrisierend. Bei längerer Dauer der Einengung kann es auch zu Störungen der Motorik mit Lähmungen und der Beeinträchtigung der Hautversorgung kommen. Ein bekanntes Beispiel für ein Engpass-Syndrom ist das Karpaltunnelsyndrom.

Bei einem Karpaltunnelsyndrom (CTS) wird der N. medianus, der im Handgelenk durch den Karpaltunnel unterhalb des Ligamentum carpi volare verläuft, durch Schwellungen im Sehnengleitfach eingeengt und durch Dauerdruck beschädigt. Die Folgen sind vor allem nächtliche Missempfindungen (Parästhesien) und Schmerzen im Bereich der Beugeseite der ersten drei Finger der betroffenen Hand. Weitere Symptome sind Kribbeln und Taubheit der Hand, nächtliche Ruheschmerzen und ein Einschlafen des ersten bis dritten Fingers. Die Schmerzen können bis in den Arm und die Schulter ziehen und die Muskulatur der betroffenen Finger geschwächt werden. Durch intensives Reiben und Schütteln der Hände können die Beschwerden gelindert werden. Auch kaltes Wasser kann helfen.

Eine nicht seltene Begleiterkrankung des Karpaltunnelsyndroms ist der „schnappende Finger“. Dabei handelt es sich um eine vermehrte Morgensteifigkeit der Finger oder schmerzhaften und inkompletten Faustschluss. Ein Karpaltunnelsyndrom sollte von den sogenannten zervikalen Radikulopathien (Schädigungen der Nervenwurzeln an der Halswirbelsäule), Polyneuropathien, einer Läsion oder anderweitiger Kompression des N. medianus, von Erkrankungen der Wirbelsäule und nicht-neurogenen (das Nervensystem nicht betreffenden) Erkrankungen wie dem Raynaudsyndrom oder der Borreliose abgegrenzt werden.

Die Therapie eines Karpaltunnelsyndroms erfolgt im Frühstadium ohne operative Eingriffe. Im fortgeschrittenen Stadium und bei anhaltenden sensiblen und/oder motorischen Ausfallserscheinungen erfolgt operativ eine Spaltung des Retinakulums. Bei rechtzeitiger Behandlung ist die Prognose gut, die Komplikationsrate nach Operationen liegt bei drei bis sechs Prozent.

Neuropathie bei Morbus Sudeck/CRPS

Der Morbus Sudeck wird heute als komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS) bezeichnet und betrifft typischerweise den Bereich der Extremitäten, also Arme und Beine. Nach einer äußeren Einwirkung kommt es zu einem längeren Krankheitsgeschehen. Die Schmerzen gehen über den Schädigungsort hinaus und stehen in keinem Verhältnis zum eigentlichen Schmerzauslöser wie z.B. einem Knochenbruch oder einer Operation und gehen mit Hautveränderungen, Schwellungen und Durchblutungsstörungen einher. Auch vermehrtes Schwitzen und Schwellungen können auftreten.

Typische Symptome des CRPS sind:

  • brennende Spontanschmerzen,
  • einschießende Schmerzattacken,
  • mechanische und thermische Schmerzen durch eigentlich harmlose Reize (Allodynie) und/oder
  • verstärkte Reaktion auf einen Schmerzreiz (Hyperalgesie). Hinzu kommt meist der Schmerz der auslösenden Ursache.

Neuropathie als Phantomschmerz

Nach knapp 60 Prozent aller Amputationen kommt es zu sogenannten Phantomschmerzen. Damit sind Schmerzen gemeint, die in verlorenen Körperteilen auftreten. Dies geht mit dem Gefühl einher, die Gliedmaße wäre noch vorhanden. Allein die Berührung anderer Körperteile kann Schmerzen im amputierten Glied auslösen. Phantomschmerzen können gemeinsam mit Stumpfschmerzen auftreten. Typische Symptome sind Empfindungen wie Kribbeln, Berührungsempfindungen, Zucken oder auch Schmerzen in amputierten Körperteilen wie Armen oder Beinen, aber auch in der Brust.

Neuropathie als Stumpfschmerz

Stumpfschmerzen treten im noch vorhandenen Körperteil auf. Es sind nozizeptive Schmerzen, die durch Prozesse im Stumpfbereich verursacht werden. Häufig entstehen Schmerzreaktionen auf alltägliche mechanische Reize (Allodynie). Stumpfschmerzen können gemeinsam mit Phantomschmerzen auftreten.

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Liebe Leser,
die Inhalte unseres Nervenschmerz-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Dr. med. Henrike Ottenjann, Ärztin und Fachjournalistin für Medizin