Ursachen und Symptome

Zentrale Neuropathien durch Erkrankungen des zentralen Nervensystems

Zuletzt aktualisiert am: 21.03.2016 17:11:47
Zentrale Neuropathien durch Erkrankungen des zentralen Nervensystems

Das zentrale Nervensystem kann von vielfältigen Erkrankungen betroffen sein, die Nervenstrukturen in Gehirn und Rückenmark schädigen und zu zentralen neuropathischen Schmerzen führen können. In diesem Fall spricht man von zentralen Neuropathien. Auslöser sind meist Entzündungen, Infektionen, Tumore, Durchblutungsstörungen, Verletzungen oder Autoimmunerkrankungen. In diesem Beitrag finden sie mögliche Ursachen im Überblick.

Multiple Sklerose (MS)

Die Multipe Sklerose ist die Folge eines entzündlichen, das Immunsystem betreffenden Prozesses in Rückenmark und Gehirn. Bei den Patienten, die überwiegend zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr erkranken, wird die Schutzhülle (Myelin) der Nervenfasern zerstört. Die Nervenfasern werden entmarkt und die Weiterleitung der elektrischen Impulse von Nerv zu Nerv gestört. Eine weitere Folge ist, dass das Gehirn an Größe abnimmt. Die Erkrankung verläuft in Schüben mit Remissionen oder aber langsam fortschreitend. Symptome neben den zentralen Schmerzen sind Erschöpfungen (Fatigue), Hirnnervenausfälle, Augenmuskellähmung, schleppende Sprache, spastische Lähmungen, Kleinhirnsymptome, Empfindungsstörungen, Blasen- und Mastdarmstörungen, Euphorie sowie später Demenz. Fast jeder dritte Betroffene leidet an neuropathischen Schmerzsymptomen.

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Polio-Infektion

Die Poliomyelitis, auch Kinderlähmung genannt, ist die Folge einer Infektion mit Polioviren, die die graue Substanz des Rückenmarks befallen. Solange die Viren nicht im ZNS wüten, kann die Infektion unbemerkt ablaufen, aber auch zu Fieber, Übelkeit, Rücken- und Gliederschmerzen sowie Verstopfung, Durchfall und Heiserkeit führen. Kommt es aber zum Befall des ZNS, können hohes Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen sowie Erbrechen folgen. Am Ende stehen Muskelschwäche und Lähmungserscheinungen.

Die Lähmungen im Bereich von Armen und Beinen sind nicht rückgängig zu machen, ein Schutz mittels Impfung ist aber möglich. Angesichts auftretender Polio-Fälle in Krisengebieten und Migration/Flucht der Menschen nach Europa besteht aktuell eine erhöhte Gefahr der Erregereinschleppung nach Deutschland. Daher empfiehlt das Robert-Koch-Institut, den eigenen Impfstatus zu kontrollieren und gemäß Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) den fehlenden bzw. unvollständigen Impfstatus nachzuholen oder aufzufrischen (mehr auf www.rki.de)

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Masern- und Mumpsinfektion

Masernerkrankungen werden durch Masernviren (Paramyxoviren) verursacht. Ein grippeähnliches Vorstadium mit Fieber, Schnupfen, Husten und Bindehautentzündung tritt acht bis zwölf Tage nach der Ansteckung auf. Vier bis fünf Tage später kommt es zu einem Hautausschlag, der im Gesicht und hinter den Ohren beginnt und sich über den gesamten Körper ausbreitet. Viele akute Infektionen verlaufen mit Komplikationen. Neben Lungenentzündung, einer Kehlkopf- oder Mittelohrentzündung sind vor allem die akuten und chronischen ZNS-Beteiligungen gefürchtet.

Hierzu gehört die gefährliche akute Masernenzephalitis. Sie kann drei bis zehn Tage nach Auftreten des Ausschlags auftreten und ist eine durch die Infektion vermittelte Autoimmunerkrankung. Die Sterblichkeitsrate ist hoch, Überlebende leiden häufig an bleibenden Funktionsstörungen des Zentralnervensystems. Eine spezifische Therapie gibt es nicht. Eine seltene Spätkomplikation ist die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), eine anhaltende Masernvirus-Infektion des Gehirns mit einer Inkubationszeit von Jahren bis Jahrzehnten. Die SSPE verläuft immer tödlich.

Den einzigen Schutz gegen Masern bietet die aktive Impfung. Bis heute ist kein einziger Fall einer SSPE nach erfolgreicher Masern-Schutzimpfung beschrieben worden. Die STIKO empfiehlt bei Kindern zwei Impfungen im Abstand von fünf Jahren. 

Mumps, auch Ziegenpeter genannt, ist eine akute Viruserkrankung (Paramyxovirus). Etwa 17 bis 21 Tage nach der Ansteckung treten Fieber, Kopf- und Halsschmerzen sowie eine schmerzhafte Schwellung der Ohrspeicheldrüse (ein- oder beidseitig) auf. Gelegentlich kommt es auch zu einer Beteiligung der Bauchspeicheldrüse und der Keimdrüsen. Komplikationen neben Schwerhörigkeit und Hodenentzündung mit Gefahr der Unfruchtbarkeit sind eine Entzündung des Gehirns und seiner Häute (Mumps-Meningitis).

Tumore

Tumore, Metastasen, Zysten oder Ganglien führen durch Druckschädigung eines Nervs zu neurologischen Störungen. In den meisten Fällen treten Tumore im Bereich des zentralen Nervensystems auf. Aber es gibt auch Tumore des peripheren Nervensystems. Sie sind eher selten, können dann aber gut- oder bösartig sein. Beispiele sind gutartige Schwannome, gutartige Neurofibrome (Geschwulste bei Neurofibromatose) oder bösartige Nervenscheidentumoren. Symptome bei gutartigen Tumoren des peripheren Nervensystems sind schmerzlose lokale Schwellungen, elektrisierende Missempfindungen und in einem späten Stadium Lähmungen. Bei bösartigen peripheren Nerventumoren kommt es neben lokalen Schwellungen zu rasch fortschreitenden neurologischen Ausfällen wie Lähmungen, und Sensibilitätsstörungen. Mehr als 30 Prozent der Patienten mit Tumorschmerzen leiden an Nervenschmerzen. Die Therapie und auch die Prognose hängen von der Lokalisation und der Art des Tumors ab.

Schlaganfall

Durchblutungsstörung im Gehirn nach einem Schlaganfall führen zu einer Schädigung von Strukturen des Zentralen Nervensystems und damit zu neurologischen Verlusten. Es kommt zu Veränderungen bzw. dem Absterben von Zellen im zentralen Nervensystem. Die Durchblutungsstörungen können durch einen Gefäßverschluss oder in Folge von Blutungen nach Platzen eines Gefäßes entstehen. Typische Krankheitszeichen sind zentrale Schmerzen (Schmerzen im Gehirn oder Rückenmark), Empfindungsstörungen, Lähmungen in den jeweils herdgekreuzten Körperhälften, typischerweise in Armen und Beinen. Bei rund acht Prozent der Schlaganfallpatienten kommt es zu Nervenschmerzen.

Querschnittslähmung

Bei Querschnittslähmungen kommt es zu einer Schädigung von Strukturen des Zentralen Nervensystems und damit zu Veränderungen bzw. dem Absterben von Zellen im zentralen Nervensystem. Querschnittslähmungen sind  die Folge einer kompletten oder auch nicht kompletten Durchtrennung des Rückenmarks. Durch die Rückenmarksverletzung kommt es zum Ausfall motorischer, sensibler und vegetativer Körperfunktionen.

Die Folgen sind abhängig vom Ausmaß der Rückenmarksschädigung und können in Lähmungen in den Armen und Beinen sowie Beeinträchtigungen der Atmung, des Stoffwechsel, der Herzfrequenz und der Verdauung bestehen. Bei rund jedem zweiten Betroffenen kommt es zusätzlich zu störenden Missempfindungen unterhalb der Verletzungsstelle. Etwa 30 Prozent der Betroffenen klagen vorwiegend über Schmerzen im Bauch- und Beckenraum, deren genauen Ursprung sie schlecht ausmachen können (viszerale Schmerzen), die sich dumpf, bohrend, kolik- oder krampfartig bemerkbar machen. Wird das Rückenmark komplett durchtrennt, so tritt im Prinzip ein Phantomschmerz auf.

Schädel-Hirn-Trauma

Ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT) bezeichnet eine Verletzung des Schädels und des Gehirns. Je nach Schwere und Ausmaß werden gemäß der Glasgow-Koma-Skala drei Stadien unterschieden. Bereits eine Gehirnerschütterung wird als SHT-Grad 1 bezeichnet. Die Symptome reichen von Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit bis hin zu Bewusstlosigkeit und Koma. Ein Schädel-Hirn-Trauma entwickelt sich über einen bestimmten Zeitraum. Verletzte können anfänglich noch bei Bewusstsein sein, dann aber später eintrüben und bewusstlos werden. Daher ist eine klinisch-neurologische und bildgebende sowie ggf. intensivmedizinische Überwachung sehr wichtig. Therapien sowie die Prognosen sind abhängig von der Schwere des Traumas.

Parkinson-Syndrom

Die Parkinsonkrankheit ist eine der häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Ursache ist ein Mangel am sogenannten L-Dopa im Gehirn. Sie zeichnet sich aus durch Akinese, Rigor, Tremor und Instabilität aus. Hinzu kommen sensorische, vegetative, psychische und kognitive Störungen. Die Therapie bietet heute zwar eine Vielzahl an Möglichkeiten, heilbar ist die Krankheit aber bislang nicht.

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die Inhalte unseres Nervenschmerz-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Dr. med. Henrike Ottenjann, Ärztin und Fachjournalistin für Medizin