Ursachen und Symptome

Entzündungen als Auslöser für Nervenschmerzen

Zuletzt aktualisiert am: 23.06.2016 17:12:03
Entzündungen als Auslöser für Nervenschmerzen

In fünf Prozent der Fälle entstehen Polyneuropathien auf dem Boden einer Entzündung. Man spricht dann von Polyneuritiden. Bedingt durch die vermehrte Ausschüttung von Entzündungsstoffen können diese ausgesprochen schmerzhaft sein. Betroffene leiden charakteristischerweise unter einem örtlich begrenzten tiefen Schmerz und anfallsartig auftretenden Schmerzattacken.

Verantwortlich dafür sind sogenannte aktivierte Makrophagen aus den umliegenden Blutgefäßen, die nach einer Nervenschädigung in die Nerven und die Spinalganglien einwandern und dort Stoffe freisetzen (sog. profinflammatorische Zytokine), die am Ort der Verletzung Schmerzen auslösen. Die Nervenschmerzen werden direkt durch Viren, Bakterien und Parasiten, eine Schädigung durch deren Gifte oder eine Reaktion des Immunsystems verursacht.

Virale und bakterielle Infektionen als Auslöser von Nervenschmerzen

Virale Neuropathien werden vor allem durch fünf Viren aus der Herpesgruppe verursacht: Herpes-simplex-Virus Typ 1 und 2, Varizella-Zoster-Virus als Verursacher eines Herpes zoster, Zytomegalie-Virus und Epstein-Barr-Virus als Verursacher einer Mononukleose. Darüber hinaus gibt es die HIV-assoziierte Polyneuropathie.

Bis zu 50 Prozent der HIV-Patienten leiden unter Empfindungsstörungen und brennenden Schmerzen in den Füßen, später kommt es zu einer Allodynie (Schmerz durch Reize, die normalerweise keinen Schmerz verursachen) und zu einem Verlust der Sensibilität in den Beinen aufgrund der Erkrankung oder als Nebenwirkung der medikamentösen Therapie.

Weitere virale Infektionen, die auch zu entzündlichen Nervenschmerzen führen können, sind

  • Enzephalitis epidemica,
  • Grippe,
  • Hepatitis A- und C-Infektion,
  • Masern und Mumps (Paramyxoviren),
  • Zeckenbiss-Meningo-Enzephalo-Myelitis (FSME-Virus). 

Bakterielle Infektionen als potenzielle Auslöser sind

  • Bruzellosen (Brucella),
  • Borreliose (Borrelia Burgdoferi),
  • Botulismus (Clostridum botulinum),
  • Diphtherie (Corynebakterium diphteriae),
  • Lepra (Mycobakterium leprae),
  • Leptospirosen (Leptospiren),
  • Neurolues (Treponema pallidum),
  • Typhus und Paratyphus (Salmonella typhi und paratyphi)

Speziell bei einer Diphterie kann in bis zu 20 Prozent der Fälle das Nervengewebe zerstört werden und die Krankheit  einen schweren Verlauf nehmen.

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Gefährliche Parasiten

Darüber hinaus können auch Parasiten zu entzündlichen Neuropathien führen. Beispiele sind Rickettsien, Verursacher der Rickettsiose; Amöben, die eine Ruhr verursachen; Plasmodien als Auslöser einer Malaria oder auch durch Katzen übertragene Toxoplasma-gondii-Erreger als Auslöser einer Toxoplasmose. 
Darüber hinaus gibt es akut entzündliche Erkrankungen wie das Guillain-Barré-Syndrom, das sich in Folge einer Infektion z.B. mit Zytomegalie-Virus, Ebstein-Barr-Virus, Mycoplasma pneumoniae oder auch Hämophilus influenzae und gleichzeitig vorhandener genetischer Veranlagung entwickelt.

Ein Spezialfall ist die sogenannte chronische inflammatorische demyeliniserende Polyneuropathie (CIDP). Die Ursache ist unbekannt, aber eine entzündlich bedingte Entstehung ist sehr wahrscheinlich. Im Unterschied zu vielen anderen Nervenschmerzerkrankungen kann diese Form der chronischen Neuropathie erfolgreich behandelt werden, wenn sie rechtzeitig erkannt wird.

Bei Infektionen mit Viren, Bakterien oder anderen Erregern besteht die Gefahr von Entzündungen (Neuritiden) des peripheren Nervensystems (Nervensystem außerhalb von Gehirn und Rückenmark). Zu den möglichen Ursachen zählen eine direkte Einwirkung der Erreger, die Wirkung ihrer Gifte und/oder eine Reaktion des Immunsystems.

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Akuter Herpes Zoster (Gürtelrose)

Die akute Herpes-zoster-Neuritis, auch Gürtelrose genannt, ist eine lokale Neuropathie. Betroffen sind zumeist ältere Patienten, die in ihrem Leben schon einmal eine Varizella-zoster-Erkrankung wie Windpocken durchstehen mussten. Bei einer solchen Infektion können sich Viren in Ganglien von Hirn- oder Spinalnerven ablagern und im Laufe eines Menschenlebens durch UV-Licht, Traumata, Immunsuppression, Stress, Fieber, Tumore oder AIDS wieder reaktiviert werden und die Nerven erneut befallen.

Bei den meisten Menschen treten im Bereich des befallenen Nervenareals (Dermatom) rote, bläschenartige und sehr schmerzhafte Hauterscheinungen auf. Typischerweise sind das Gesicht (im Bereich des fünften Hirnnerven N. trigeminus) oder der Brustkorb betroffen. Die auftretenden Schmerzen sind brennend, stechend, reißend und gehen mit einer erhöhten Berührungsempfindlichkeit einher. Hinzu kommen Abgeschlagenheit und Fieber. Eine Gürtelrose ist im Akutstadium gut zu behandeln. Bei einem Teil der Patienten kommt es allerdings zu einer chronischen Post-Zoster-Neuralgie (PZN), die sich zum Teil in starken Nervenschmerzen äußert.

HIV-assoziierte Neuropathie

Zu den neurologischen Erkrankungen bei HIV gehört die HIV-assoziierte periphere Polyneuropathie. Die schützende Myelinschicht der Nervenfasern wird angegriffen, Patienten haben in der Folge mit Gefühlsstörungen, Kribbeln und zum Teil mit Schmerzen zu kämpfen. Diese beginnen meist in den Zehen und Füßen und nehmen über Wochen langsam zu. Darüber hinaus gibt es bei HIV weitere neurologische Probleme wie die HIV-Myelopathie, bei der es zur Zerstörung von Nervenbahnen im Rückenmark kommt, oder auch die HIV-assoziierte Enzephalopathie, die das Gehirn befällt. Zudem können verschiedene antiretrovirale Medikamente eine medikamentös-toxische Polyneuropathie verursachen.

Lyme-Borreliose

Eine Borreliose wird durch Erreger (Borrelien) verursacht, die von Zecken übertragen werden. Die Krankheit verläuft in Stadien und führt am Ende auch zu Nervenschädigungen. Ein unbemerkter Zeckenbiss kann im ersten Stadium der Krankheit nach ca. einer Woche zu einem kreisförmigen roten juckenden Hausausschlag um die Bissstelle führen. Begleitsymptome sind oft Fieber und Gliederschmerzen. Im zweiten Stadium der Erkrankung können zwei bis sechs Wochen später heftigere Gliederschmerzen auftreten begleitet von Geschmacksstörungen und einer Beeinträchtigung des Hörvermögens. Hinzukommen kann eine halbseitige Lähmung der Gesichtsmuskulatur, Glieder-, Nacken- und Kopfschmerzen, auch Herzrhythmusstörungen sind möglich. Wird die Borreliose nicht behandelt, kann sie nach einigen Monaten, aber auch erst Jahre später ins dritte Stadium übergehen und Gelenkbeschwerden sowie Nerven- und Herzschädigungen verursachen.

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die Inhalte unseres Nervenschmerz-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Dr. med. Henrike Ottenjann, Ärztin und Fachjournalistin für Medizin