Tipps

Neuropathische Schmerzen (Therapie) | Überblick & Tipps

Zuletzt aktualisiert am: 23.03.2016 16:40:56
Neuropathische Schmerzen (Therapie) | Überblick & Tipps

Mehr als sechs Prozent der Deutschen leiden an neuropathischen Schmerzen. Dies entspricht circa fünf Millionen Menschen. Von allen Patienten, die in einer schmerztherapeutischen Spezialeinrichtung Hilfe suchen, leiden 20 Prozent an einer ungenügenden Behandlung ihrer Neuralgie. Im Laufe der Jahre suchen die Betroffenen durchschnittlich acht verschiedene Ärzte auf. Innerhalb desselben Zeitraums verbringen sie circa zehn Wochen im Krankenhaus.

Symptome und Ursachen für neuropathische Schmerzen

Patienten, die unter Nervenschmerzen leiden, weisen häufig eine veränderte Hautsensibilität auf. Sie reagieren teils weniger empfindlich, teils aber auch überempfindlich auf Reize wie Kälte, Wärme, Berührungen oder Druck. Oftmals treten einschießende Schmerzattacken oder brennende Spontanschmerzen auf, ohne dass schmerzauslösende Stimuli vorliegen. Patienten, die nach einer Gürtelrose chronische Schmerzen entwickeln, nehmen beispielsweise bereits das Überstreifen von Kleidung an der entsprechenden Stelle als unangenehm oder sogar schmerzhaft wahr. Da kein einheitliches Beschwerdebild existiert, gestaltet sich die für eine erfolgreiche Neuralgie Therapie erforderliche Diagnose oft schwierig.

Grundsätzlich können sämtliche Symptome in verschiedenen Kombinationen völlig unabhängig von der eigentlichen Erkrankungsursache auftreten. Während zum Beispiel ein Diabetiker an tauben, gegen Berührungen und sonstige Reize unempfindlichen Beinen leidet, klagt ein anderer über permanent brennende Füße. Auf der anderen Seite gibt es Betroffene, die bei unterschiedlichen Grunderkrankungen dasselbe Schmerzbild aufweisen. Ursache für Nervenschmerzen ist eine direkte Schädigung der "Gefühlsfasern" des Nervensystems, die eine Aktivierung der für die Schmerzwahrnehmung verantwortlichen Nervenendigungen bewirkt. Ein Beispiel hierfür ist der Bandscheibenvorfall. Bei diesem drückt die Bandscheibe im Bereich des fünften Lendenwirbels auf dort ein- bzw. austretenden Nervenfasern. Diese Kompression kann zu einem Taubheitsgefühl und einer Schmerzausstrahlung an der Außenseite des Beins hinunter über den Vorderfuß bis hin zum Großzeh führen und so eine Nervenschmerzen Therapie notwendig machen.

Anzeige

Möglichkeiten der Neuralgie-Therapie

Um bei neuropathischen Schmerzen die Therapie erfolgreich durchführen zu können, sollte diese folgende Maßnahmen umfassen:

  1. die Behandlung der eigentlichen Ursache
  2. das Erreichen der Schmerzfreiheit, am besten vollständig oder zumindest teilweise
  3. das Verbessern der Schmerzbewältigung mit Hilfe zusätzlicher psychologischer Verfahren

Da eine wirksame Schmerzlinderung schon in der Akutphase verhindern kann, dass Schmerzen eine chronische Ausprägung annehmen, sollte mit der effektiven Schmerztherapie frühzeitig und so intensiv wie möglich begonnen werden. Grundsätzlich gestaltet sich die medikamentöse Behandlung von Schmerzsyndromen ähnlich, auch wenn die eigentlichen Ursachen recht unterschiedlich sind. Gängige Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Diclofenac, Ibuprufen oder Paracetamol eignen sich bei neuropathischen Schmerzen zur Therapie weniger. Als wirksamer gelten Medikamente, die sonst bei Depressionen (Antidepressiva) oder Epilepsie (Antiepileptika oder Antikonvulsiva) zur Anwendung kommen. Gaben von Lokalanästhetika können bei der Nervenschmerz-Therapie ebenfalls Linderung bringen. In vielen Fällen ist die Kombination verschiedener Arzneistoffe sinnvoll. Wirkungsgrad und Nebenwirkungen unterscheiden sich von Patient zu Patient, sodass für jeden Betroffenen eine individuelle Neuralgie Behandlung oder Therapie gefunden werden muss. Völlige Schmerzfreiheit lässt sich nur selten erreichen. Zwanzig bis vierzig Prozent aller Behandelten sprechen nicht genügend auf die Neuralgie Therapie an oder leiden an nicht hinnehmbaren Nebenwirkungen.

Zu den realistischen Zielen der Behandlung zählen vielmehr:

  •           eine Schmerzlinderung von mindestens dreißig bis fünfzig Prozent
  •           die Verbesserung der Schlafqualität
  •           die Wahrung der Arbeitsfähigkeit
  •           die Beibehaltung sozialer Beziehungen und Aktivitäten

Um diese Ziele zu erreichen, kann sich neben der medikamentösen Nervenschmerzen Therapie der Einsatz nicht-medikamentöser Methoden als sinnvoll erweisen. Hier bieten sich beispielsweise die transkutane elektrische Nervenstimulation, Ergo- und Physiotherapie sowie Psychotherapie an. Eine langfristige Therapiekontrolle ist wichtig, um den schmerzlindernden Erfolg der Behandlung zu erfassen und deren Auswirkung auf sämtliche Lebensbereiche zu dokumentieren.

Anzeige

Medizinische Risiken der Neuralgie-Behandlung und -Therapie

Die Einnahme von Medikamenten, die bei neuropathischen Schmerzen für die Therapie verordnet werden, kann zahlreiche Nebenwirkungen nach sich ziehen. So können Betäubungsmittel zur Abhängigkeit, zur Dämpfung der Funktionen des zentralen Nervensystems oder zu Verstopfung führen. Opiate können außerdem die Fahrtauglichkeit im Straßenverkehr und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen herabsetzen. Anti-Anfall-Medikamente bewirken unter Umständen Benommenheit und Schläfrigkeit. Pflaster mit Lokalanästhetika lösen bei einigen Menschen allergische Hautreaktionen aus. Die zur Behandlung von Nervenschmerzen verwendeten Antidepressiva verursachen zum Teil Übelkeit, Schwindel, Benommenheit, Appetitlosigkeit und Verstopfung. In jedem Fall sollte beim Auftreten von Nebenwirkungen der Arzt konsultiert werden, um eine zufriedenstellende Lösung zu finden.

Weiterlesen

Service

Anzeige
Apotheke
finden
oder
Kaufen Sie Keltican forte bei in einer Apotheke in Ihrer Nähe
Liebe Leser,
die Inhalte unseres Nervenschmerz-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Dr. med. Henrike Ottenjann, Ärztin und Fachjournalistin für Medizin