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Trigeminusneuralgie (Gesichtsschmerz) | Ursachen & Behandlung

Zuletzt aktualisiert am: 20.07.2016 15:51:10
Trigeminusneuralgie (Gesichtsschmerz) | Ursachen & Behandlung

Betroffene einer Trigeminusneuralgie wissen: Die plötzlich auftretenden Schmerzattacken im Gesicht gehören zu den stärksten Schmerzen, die man sich vorstellen kann. Oftmals ist für Patienten ein normales Leben unmöglich, weil das Auftreten der Schmerzen vollkommen unvorhersehbar ist. Die Trigeminusneuralgie wird heute mit gut wirksamen Medikamenten behandelt, gegebenenfalls können auch operative Eingriffe zum Einsatz kommen. Durch moderne Therapiemethoden kann häufig völlige Schmerzfreiheit erreicht werden. 

Symptome und Ursachen einer Trigeminusneuralgie

Der Fachbegriff Trigeminusneuralgie bezeichnet eine äußerst schmerzhafte Erkrankung des Gesichtsnervs Nervus trigeminus. Meist ist ein pathologischer Kontakt des Trigeminusnervs mit einem Blutgefäß ursächlich für die Nervenschmerzen im Gesicht. Der Kontakt betrifft die Nervenwurzel und kann mithilfe radiologischer Bildgebung (MRT) sichtbar gemacht werden. 

Charakteristische Symptome der Trigeminusneuralgie sind plötzlich einschießende, meistens einseitig auftretende heftige Gesichtsschmerzen, die zwischen einigen Sekunden bis hin zu zwei Minuten andauern können. Diese Attacken können mehrmals pro Tag, manchmal bis zu viermal pro Minute, auftreten und über mehrere Monate andauern. Zwischen den Schmerzattacken besteht in der Regel Schmerzfreiheit. Oft treten Trigeminusschmerzen ohne Vorwarnung auf, allerdings kommen auch Alltagshandlungen wie etwa Zähneputzen, Kauen, Sprechen, kalte Luftzüge oder Berührungen im Gesicht als Auslöser (sogenannte Trigger) infrage. Auch emotionaler Stress kann ursächlich sein.

Der Nervus trigeminus

Der Trigeminusnerv ist ein Gesichtsnerv, der zu den zwölf Hirnnerven zählt, die aus dem Gehirn entspringen. Trigeminus heißt er deshalb, weil er sich über die Stirn- und Kieferregionen des Kopfes in drei Äste verzweigt und darin für Sensibilität sorgt. Er leitet Empfindungen aus den oberen, mittleren und unteren Gesichtsbereichen ans Gehirn und steuert die Motorik, z.B. der Kau- und Schläfenmuskulatur. Die Äste vereinen sich in einem NErvenknoten, dem Ganglion Gasseri. Bei der Trigeminusneuralgie kann mehr als ein Nervenast betroffen sein.

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Formen der Trigeminusneuralgie:

  • Klassische/idiopathische Trigeminusneuralgie: Die Nennung einer eindeutigen Ursache ist nicht möglich. Ärzte vermuten, dass die Schmerzattacken durch den direkten Kontakt des Trigeminusnervs mit einem Blutgefäß entstehen. Durch den Kontakt und den damit ausgeübten Druck auf den Nerv wird dessen Umhüllung (die sogenannte Myelinscheide) geschädigt, wodurch die Schmerzen entstehen. Die Schmerzattacken treten meist einseitig auf und wechseln sich mit Intervallen ohne Beschwerden ab.
  • Symptomatische Trigeminusneuralgie: Hier treten die Beschwerden auch oft beidseitig auf und es müssen keine schmerzfreien Intervalle gegeben sein. Oftmals kommt es neben den Schmerzen auch noch zu Empfindungsstörungen wie Taubheit oder Kribbeln. Als Ursachen gelten Post-Zoster-Neuralgie, Schlaganfälle, Multiple Sklerose, Gehirntumoren oder auch Gefäßmissbildungen in der Umgebung des Hirnstamms. 

    Wird der Trigeminusnerv beschädigt, etwa durch eine Operation oder einen Eingriff beim Zahnarzt, kann eine Trigeminusneuropathie entstehen.  Bei dieser ist ein Dauerschmerz typisch, der von Empfindungsstörungen im Gesicht begleitet wird.

Die IHS (International Headache Society) benennt folgende Diagnose-Kriterien für die klassische Trigeminusneuralgie:

  • Paroxysmale (anfallsartige) Schmerzattacken von Bruchteilen einer Sekunde bis zu 2 Minuten Dauer, die einen oder mehrere Äste des Nervus trigeminus betreffen und die Kriterien B und C erfüllen
  • Der Schmerz weist wenigstens eines der folgenden Charakteristika auf: starke Intensität (scharf, oberflächlich, stechend), ausgelöst über eine Triggerzone oder durch Triggerfaktoren
  • Die Attacken folgen beim einzelnen Patienten einem stereotypen Muster
  • Klinisch ist kein neurologisches Defizit nachweisbar
  • Nicht auf eine andere Erkrankung zurückzuführen

Unabhängig von der Art der Erkrankung liegt den Schmerzattacken immer eine Reizung oder Schädigung des Trigeminusnervs zugrunde, die auf verschiedene Arten behandelt werden kann.

Wer ist betroffen und wie ist der Krankheitsverlauf??

Die Trigeminusneuralgie ist selten. Sie betrifft am häufigsten Menschen über 40 Jahren und wird auf etwa Neuerkrankungen auf 100.000 Menschen im Jahr beziffert. Die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung nimmt mit dem Alter zu, sie kann aber grundsätzlich in jedem Alter auftreten, auch bei Kindern. Frauen sind vom Gesichtsschmerz häufiger betroffen als Männer. Die Erkrankung zeigt in der Regel ein zunehmend schweren Verlauf. Lediglich jeder dritte Patient erfährt nur eine einzige Schmerzepisode in seinem Leben. Eine Trigeminusneuralgie ist aber behandelbar: Es stehen sowohl konservative (medikamentöse) als auch operative Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

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Wie wird die Trigeminusneuralgie behandelt?

Der erste Therapieversuch wird immer ein konservativer sein, um unnötige Operationsrisiken zu vermeiden. Das Medikament der Wahl ist in diesem Fall Carbamazepin, ein Antiepileptikum, dessen Dosis so lange gesteigert wird, bis die Schmerzattacken aufhören. Normale Schmerzmittel wie etwa Ibuprofen oder Diclofenac sind bei einer Trigeminusneuralgie zwecklos, da ihre Wirkung frühestens dreißig Minuten nach der Einnahme eintritt und so keinen Effekt auf die Schmerzattacke hat. In der Akkuttherapie hat sich der Wirkstoff Phenytoin bewährt. Eine operative Therapie ist dann angebracht, wenn sämtliche Schmerzmittel versagen oder wenn eine konkrete Ursache, wie beispielsweise ein Gehirntumor, vorliegt.

Es stehen drei Operationsverfahren zur Verfügung:

  1. Mikrovaskuläre Dekompression: Der Schädel wird am Hinterkopf geöffnet, um Zugang zum Trigeminusnerv zu haben. Dann wird der Druck zwischen Gefäß und Nerv durch ein zwischengelegtes Teflon- oder Goretexschwämmchen unterbunden.
  2. Perkutane Thermokoagulation: Bei den sogenannten Ganglion-Gasseri-Techniken führt der Arzt eine Sonde unter der Haut zum Trigeminusnerv und zerstört dort die Schmerz leitenden Nervenfasern.
  3. Radiochirurgie: Der Trigeminusnerv wird nahe dem Hirnstamm mit einem Strahlenfeld bestrahlt.
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Folgen der Trigeminusneuralgie

Menschen, die unter der Trigeminusneuralgie leiden, sind durch die plötzlichen und heftigen Schmerzattacken einem extremen psychischen und körperlichen Stress ausgesetzt. Viele Betroffene entwickeln daher ein sogenanntes Vermeidungsverhalten. Sie unterlassen Handlungen wie Rasieren, Zähneputzen oder Spaziergänge an der frischen Luft, weil eine dieser Situationen bei ihnen vielleicht als Trigger wirkt. Viele Erkrankte entwickeln eine Depression, die Selbstmordrate ist signifikant erhöht.

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