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Neuralgie (Nervenschmerzen) im Ohr | Ursachen & Behandlung

Zuletzt aktualisiert am: 23.06.2016 17:27:13
Neuralgie (Nervenschmerzen) im Ohr | Ursachen & Behandlung

Auch Erkrankungen an Mund und Nase gehen zum Teil mit Ohrenschmerzen einher. Eher selten, jedoch um so hartnäckiger und um so schwieriger zu behandeln, ist eine Neuralgie im Ohr.

Ursachen für Neuralgien im Ohr

Wenn aufgrund einer Neuralgie Ohrenschmerzen auftreten, gibt es dafür verschiedene Auslöser. So befällt bei einigen Betroffenen ein Ohrherpes (Herpes Zoster oticus) die Ohrmuschel und den äußeren Gehörgang und führt dort zu äußerst unangenehmen Schmerzen. Der dabei entstehende akute Zoster-Schmerz strahlt ins Ohr, in das seitliche Gesicht und/oder in den Nacken aus. Bei mehr als der Hälfte der Patienten kommt es im Verlauf der Erkrankung außerdem zu einer schwachen bis vollständigen Lähmung der Mimikmuskeln auf der jeweiligen Gesichtshälfte. Auch Nervenentzündungen wie die Trigeminusneuralgie können sich im Ohr bemerkbar machen. Hierbei führt eine Reizung oder Quetschung des Trigeminusnervs zu starken, meist einseitigen Schmerzen im Gesicht und im Ohr. Diese Krankheit tritt nur selten auf und betrifft Frauen häufiger als Männer. Typisch für die Trigeminusneuralgie sind heftige Schmerzattacken, die plötzlich und ohne Vorwarnung auftreten und oft nur wenige Sekunden andauern. Ausgelöst werden die Attacken beispielsweise durch Berührungen der Stirn oder der Wange, Kauen, Sprechen, Schlucken oder Zähneputzen.

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Behandlung von Nervenschmerzen am Ohr

Ein Herpes Zoster oticus wird in der Regel mit einem Virostatikum behandelt. Dieses hemmt das Vervielfältigen und Ausbreiten der Viren und verhindert deren Anbindung an die Wirtszellen. Zusätzlich kommen Gammaglobuline und Antineuralgika zum Einsatz. Aufgrund der ausgeprägten Schmerzen versorgt der Arzt den Patienten außerdem mit lokal betäubenden Ohrentropfen, um eine dauerhafte Präsenz der Nervenschmerzen in der Ohrmuschel und im Ohr zu verhindern. Bei chronisch an Zoster oticus erkrankten Personen werden darüber hinaus spezielle multimodale Schmerztherapien und weiterführende Behandlungen in einer Schmerzklinik durchgeführt. Neben der direkten Bekämpfung der Schmerzen empfiehlt sich das Ausleiten abgestorbener Viren, da die Entzündungstoxine die Wiederherstellung der Nerven blockieren.

Bei der Trigeminusneuralgie ist die klassische Schmerzbehandlung in der Regel wirkungslos. Ehe oral eingenommene Analgetika wirken, ist die Schmerzattacke schon vorüber. Daher kommen hier Medikamente zur Anwendung, die den Schmerzen vorbeugen. Zur Therapie bieten sich beispielsweise Präparate mit dem Wirkstoff Carbamazepin an. Eine vergleichbare Wirkung hat Oxcarbazepin. Verschlimmern sich die Schmerzattacken plötzlich und machen ein schnelles Eingreifen erforderlich, helfen Arzneimittel mit den Wirkstoffen Phentoin oder Pimozid. Ist eine multiple Sklerose für die Trigeminusneuralgie verantwortlich, eignet sich der Wirkstoff Misoprostol für die Behandlung. Wirkt keines der Medikamente oder treten zu starke Nebenwirkungen auf, kommt unter Umständen eine Operation in Betracht.

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Dosierung der Medikamente bei Nervenschmerzen des Ohres

Medikamente gegen Nervenschmerzen wirken erst, wenn sich ein entsprechender Spiegel aufgebaut hat. Um diesen zu erreichen, müssen die Arzneimittel regelmäßig und immer in der vorgeschriebenen Dosierung eingenommen werden. Die Dosis wird dabei langsam gesteigert, bis die Schmerzen zu ertragen sind oder ganz verschwinden. Mitunter begrenzen jedoch die zum Teil starken Nebenwirkungen wie Schwindel und Müdigkeit eine weitere Dosissteigerung. Mildern lassen sich die unerwünschten Begleiterscheinungen durch die Einnahme kleinerer Mengen dieser Mittel über den Tag verteilt. Treten in einem Zeitraum von vier bis sechs Wochen keine erneuten Schmerzattacken auf, wird die Dosis in kleinen Schritten reduziert, um eine Überbehandlung zu vermeiden.

Folgen einer zu späten Behandlung von Nervenschmerzen im Ohr

Wird ein Zoster oticus nicht adäquat behandelt, droht eine Schwerhörigkeit, aus der eine völlige Taubheit resultieren kann. Am günstigsten verläuft die Erkrankung, wenn die Therapie innerhalb der ersten drei Tage nach Auftreten der Symptome beginnt. Zum Teil ist sogar ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus erforderlich, um irreparable Schädigungen zu verhindern. Auch bei der Trigeminusneuralgie sollte die Behandlung frühzeitig beginnen. Die intensiven Schmerzattacken beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen in vielen Bereichen. So verlieren die Patienten an Gewicht, weil sie nicht richtig essen können, oder sie müssen sich durch das Schreiben von Zetteln oder durch Zeichensprache verständigen, weil das Sprechen einen Schmerzanfall auslöst. Wegen der massiven Schmerzen kommt es bei vielen Betroffenen außerdem zu depressiven Verstimmungen, die in schwerwiegenden Fällen bis zum Suizid führen.

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