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Nervenschmerzen nach Zahnbehandlung (Zahnextraktion) | Infos

Zuletzt aktualisiert am: 21.11.2016 10:18:55
Nervenschmerzen nach Zahnbehandlung (Zahnextraktion) | Infos

Nervenschmerz, auch als neuropathischer Schmerz bezeichnet, ist eine Schmerzform, die aufgrund der Schädigung eines sensiblen Nervs entstehen kann. Während der Zahnbehandlung kann es beispielsweise durch Ziehen eines Zahnes und der damit verbundenen Gewebsschädigung im Wurzelspitzenbereich zu solch einer Nervenschädigung im Versorgungsgebiet des Nervus trigeminus, der vorwiegend das Gesicht sensibel innerviert, kommen. In diesem Fall kann dies zu einem Phantomzahnschmerz führen, fachsprachlich auch als atypische Odontalgie bezeichnet.

Patienten klagen bei fehlender Behandlung zum Teil noch Jahre nach dem Zahnarztbesuch über kaum nachlassende, spontan auftretende, stechende Schmerzen im behandelten Kieferbereich, ohne dass eine Ursache erkennbar ist. Studien zufolge soll nach ca. 3–6% größerer zahnärztlicher Eingriffe diese Symptomatik auftreten. Auch bei weiteren Zahnbehandlungen wie einer Wurzelkanalbehandlung oder einer Wurzelspitzenresektion kann es zu der Problematik kommen.

Ursachen von Phantomzahnschmerzen

Die häufigsten Ursachen für Nervenschmerzen nach einer Zahnbehandlung sind das Ziehen von Zähnen, Wurzelkanalbehandlungen und Wurzelspitzenresektion. Bei einer Zahnextraktion wird der Zahn aus seinem Knochenfach entfernt und dabei die Verbindung zum versorgenden sensiblen Nerv, der im Bereich der Wurzelspitze eintritt, durchtrennt. Der Nerv wird in seinem letzten Abschnitt geschädigt, was zu einer erhöhten Ausschüttung von Wachstumsfaktoren und einer damit verbundenen Umgestaltung der Nervenzelle führt. Dieser Umbau begünstigt spontane Signale des Nervs über die Schmerzbahn, die als stechende Schmerzen im Bereich des ehemals vorhandenen Zahnes wahrgenommen werden.

Der gleiche Mechanismus gilt für Phantomschmerzen nach einer Wurzelkanalbehandlung und einer Wurzelspitzenresektion, da auch hier der versorgende Nerv im Zahn entfernt oder abgetrennt wird. Abzugrenzen davon ist die sogenannte typische Odontalgie, die vor allem durch Reizung und Schädigung der Zahnpulpa aufgrund von Karies, Temperaturschwankungen oder chemischen Stoffen ausgelöst wird. Dabei kann dem auftretenden Schmerz immer eine Ursache zugeordnet werden.

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Symptomatik und Diagnostik

Typische Symptome einer atypischen Odontalgie sind täglich dauerhaft oder mehrfach auftretende, stechende oder dumpfe Schmerzen, ohne dass dentale oder parodontale Ursachen erkennbar sind. Dabei treten die Beschwerden, im Gegensatz zur typischen Odontalgie, reizunabhängig auf. Die Intensität der Schmerzen reicht von einem sanften Ziehen bis zu einem extrem schmerzhaften Pochen. Der Zustand kann teilweise bis zu mehrere Jahre anhalten, tritt in den meisten Fällen aber leicht zeitversetzt nach der Behandlung auf. Am häufigsten sind die Molaren (hintere Backenzähne) betroffen, gefolgt von den Prämolaren (vordere Backenzähne). Bei Frauen im Alter von 40–50 Jahren tritt eine atypische Odontalgie am häufigsten auf. Patienten berichten über verstärkte Schmerzen bei niedrigen Temperaturen. Ein nächtliches Aufwachen durch die Schmerzen soll jedoch kaum auftreten. In Fachkreisen wird diskutiert, ob und in welchem Ausmaß die Psyche der Patienten dabei eine Rolle spielt. Eindeutige Ergebnisse liegen bisher aber noch nicht vor.

Die Diagnose einer atypischen Odontalgie ist relativ schwierig, da der behandelnde Arzt sie nicht direkt, sondern nur über den Ausschluss anderer infrage kommender Krankheiten stellen kann. Weder über Röntgenbilder noch über das klinische Bild sind Hinweise zu finden. Zu allererst muss, wenn der Zahn, von dem die Schmerzen ausgehen, nicht extrahiert wurde, belegt werden, dass es sich nicht um eine Entzündung des Zahnmarks (Pulpitis) handelt, die den wohl häufigsten Grund für Zahnschmerzen darstellt. Auch eine Entzündung im Wurzelspitzenbereich (apikale Parodontitis), Schmerzen ausgehend vom Zahnhalteapparat, vom Kieferknochen, Muskelschmerzen und andere Nervenerkrankungen wie eine Trigeminusneuralgie müssen vom behandelnden Zahnarzt oder Neurologen ausgeschlossen werden.

Patienten sind teilweise monatelang auf der Suche nach einer Erklärung für ihre andauernden Schmerzen, eine Diagnose wird meistens erst relativ spät gestellt. Oft geben Angaben des Patienten über Dauer und Intensität des Schmerzes oder Informationen über vorherige zahnärztliche Behandlungen Hinweise auf einen Phantomzahnschmerz.

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Therapie von Nervenschmerzen nach einer Zahnextraktion

Es existiert bisher keine Therapieoption, die mit vollständiger Sicherheit eine Linderung oder gar ein komplettes Abklingen der Schmerzen bewirkt. Trotzdem sollte bei den genannten Symptomen immer ein Arzt konsultiert werden.

Eine medikamentöse Therapie gegen die chronischen Schmerzen kann in vielen Fällen jedoch zu einer Besserung führen. Besonders bei neuropathischen Schmerzen kann durch die Gabe eines trizyklischen Antidepressivums in niedriger Dosierung erreicht werden, dass deutlich weniger Schmerzen wahrgenommen werden. Das Medikament führt zu einer vermehrten Konzentration an Botenstoffen im Gehirn und ist für eine Dauertherapie geeignet. Eine bekannte Nebenwirkung ist die zeitnah nach Aufnahme eintretende Müdigkeit. Eine Linderung der Schmerzen darf aber erst nach 1–2 Wochen erwartet werden, weswegen auf ein zu schnelles Absetzen auf jeden Fall verzichtet werden sollte.

Auch durch die täglich mehrmalige lokale Applikation von Capsaicin oder eines Lokalanästhetikums (z.B. Procain) kann eine Schmerzlinderung erreicht werden. Eine weitere Therapieoption ist eine psychologische Behandlung. Dabei wird versucht, Mechanismen zu erlernen, die es ermöglichen, deutlich besser mit den Schmerzen im Alltag umzugehen. Dazu zählen Kurse zur Entspannung oder auch verschiedene Techniken zur Schmerzbewältigung. Bei korrekter Vorgehensweise bestehen hier gute Aussichten auf eine dauerhafte Heilung. Die Therapie sollte jedoch auf jeden Fall bei einem auf Schmerzpsychologie spezialisierten Psychologen durchgeführt werden. Um einer atypischen Odontalgie vorzubeugen, sollte der Patient darauf bestehen, dass bei größeren zahnärztlichen Eingriffen, vor allem bei einer Zahnextraktion, eine ausreichende Betäubung in Form eines Lokalanästhetikums vom Zahnarzt verabreicht wird. Dadurch kann Studien zufolge das Risiko auftretender Phantomzahnschmerzen deutlich reduziert werden.

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die Inhalte unseres Nervenschmerz-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem approbierten Arzt.