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Nervenschmerzen nach Bandscheiben-OP | Behandlung & Tipps

Zuletzt aktualisiert am: 18.10.2016 10:25:45
Nervenschmerzen nach Bandscheiben-OP | Behandlung & Tipps

Bandscheibenvorfälle zählen zu den häufigeren Ursachen für vorzeitige Arbeitsunfähigkeit: Etwa fünf bis sechs Prozent der Rentenanträge geben einen Bandscheibenvorfall als Ursache an. Wenn sich Nervenschmerzen im Bein nach einer Bandscheiben-OP bemerkbar machen, sollte umgehend ein ärztliches Gespräch gesucht werden: Je eher die Diagnose beginnen kann, desto besser für den weiteren Verlauf. Operative Eingriffe nach einem Bandscheibenvorfall werden bei 61 von 100 000 Einwohnern durchgeführt, wobei Patienten zwischen 46 und 55 Jahren häufiger betroffen sind als andere Altersgruppen. Bei einem Teil der Patienten entwickeln sich im Bereich der Lendenwirbelsäule Nervenschmerzen nach einer Bandscheiben OP bzw. werden bereits vorhandene Schmerzen nicht merklich gelindert. Auch wenn sich Nervenschmerzen im Bein nach einer Bandscheiben-OP bemerkbar machen, sollte umgehend ein ärztliches Gespräch gesucht werden: Je eher die Diagnose beginnen kann, desto besser für den weiteren Verlauf.

Nervenschmerz nach Bandscheiben OP: Ursachen und Symptome

Nervenschmerzen, die nach einer Bandscheibenoperation auftreten, können durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden:

  • die eigentliche Ursache vorher bestehender Nervenschmerzen wurde durch die Bandscheiben-OP nicht beseitigt (OP in falscher Wirbelsäulenhöhe; falsche Indikation zur OP).
  • Entzündungen am Wirbelkörper bzw. einer benachbarten Bandscheibe
  • Blutungen in umliegende Bereiche
  • durch die Operation sind neue Schmerzen verursacht worden (Nervenreizung oder -verletzungen, Narbenbildung, Verklebungen, Instabilität der Wirbelgelenke etc.)
  • das Schmerzgedächtnis des Patienten (Angst vor Schmerzen bei bestimmten Bewegungen) wurde vor der Operation stark stimuliert. Dadurch kann es selbst bei einer erfolgreich verlaufenden Bandscheiben-OP zu Nervenschmerzen kommen, da sich die Muskeln in Erwartung des Schmerzes verkrampfen oder verhärten und dadurch selbst zum Auslöser des Schmerzes werden.

Dieses Postdiskektomiesyndrom (nach der Entfernung des gallertigen Kerns der Bandscheibe, der den Rückenmarkskanal einengte), auch Postdiskektomie-Syndrom genannt, wird durch meist brennende Schmerzen gekennzeichnet, die sich häufig diffus im Bereich der Lendenwirbelsäule bemerkbar machen. Es können jedoch auch Nervenschmerzen im Bein nach einer Bandscheiben-OP auftreten, wenn die Schmerzen entlang der Nervenbahn bis in Hüfte, Oberschenkel oder in Einzelfällen bis zum Knie ausstrahlen. Bei einer Laminektomie werden auch Teile des knöchernen Wirbels entfernt (Hemilaminektomie: Hälfte des Wirbelbogens). Dadurch kann ein besserer Zugang zur Bandscheibe erreicht bzw. zu hoher Druck abgebaut werden. Als problematisch erweist sich die dadurch entstehende Instabilität der Wirbelsäule, die wiederum durch eine künstliche Versteifung (Spondylodese: Wirbelkörperverblockung) behoben werden könnte. Auch nach einer Laminektomie kann es zu postoperativen Schmerzen kommen.

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Behandlungstipps bei Nervenschmerzen nach einer Bandscheibenoperation

Risiken und Nutzen einer Bandscheibenoperation sollten vor der Operation genau abgeklärt werden, um überflüssige Eingriffe zu vermeiden. In ausführlichen Gesprächen mit dem Orthopäden bzw. Neurochirurgen sollten mögliche Alternativen besprochen werden. Bei bestehenden chronischen Schmerzen ist bereits vor einem chirurgischen Eingriff unbedingt eine psychologisch-schmerztherapeutische Untersuchung zu empfehlen! Lässt sich der operative Eingriff nicht umgehen und es treten postoperative Schmerzen auf, ist der Zeitpunkt des ersten Auftretens bzw. die Entwicklung oder das Fortbestehen des Nervenschmerzes nach der Bandscheiben-OP von großer Bedeutung für Diagnostik sowie Therapie. Auch ein erneuter Bandscheibenprolaps deutet auf das Postnukleotomie-Syndrom hin. Die Behandlungsmöglichkeiten sollten möglichst mit einem Schmerzspezialisten bzw. in einer Schmerzklinik abgeklärt werden. Neben peripher wirkenden Analgetika, Muskelrelaxantien oder Lokalanästhesien (Nervenblockaden) sowie Schmerzkatheter bieten sich auch weiterführende Therapien an, um chronischen Schmerzen zu begegnen:

  • Akupunktur: Schmerzakupunktur ist für viele Patienten eine gute Alternative.
  • Physiotherapie: Manuelle oder craniosacrale Therapien, Yoga- und Zilgrei-Übungen fördern Muskelentspannung und tragen zur Schmerzlinderung bei.
  • Physikalische Therapien: Wärme-, Elektro- (TENS; Interferenzstrom) oder Magnetfeldtherapie sind oftmals hilfreich und sind teilweise auch zur Eigentherapie geeignet.
  • Psychotherapie: Durch Körperwahrnehmungstraining, Atemtraining, computergestütztes Biofeedback oder Hypnose ist es möglich, das Schmerzgedächtnis umzuprogrammieren und so den Teufelskreis zu durchbrechen.

Nur selten wird ein Postnukleotomiesyndrom durch einen weiteren chirurgischen Eingriff behandelt (Bandscheibenprothese, Versteifungen etc.)

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In welcher Dosis werden die Medikamente eingenommen?

Die gegen Nervenschmerzen verordneten Arzneimittel wirken erst, wenn ein bestimmter Medikamentenspiegel im Körper vorliegt. Deshalb ist es besonders wichtig, sie regelmäßig in der vorgegebenen Dosis einzunehmen. Bei Bedarf wird die Dosierung langsam erhöht, bis die Schmerzen auszuhalten oder völlig beseitigt sind. Treten über einen Zeitraum von mindestens vier Wochen keine weiteren Schmerzschübe auf, kann die Dosis stufenweise reduziert und damit eine Überbehandlung vermieden werden.

Risiken

Älteren Studien zufolge scheinen Schmerzprobleme bei Rauchern nach Operationen an der Wirbelsäule (besonders Fusionsoperationen) gehäufter aufzutreten, sodass ein Verzicht auf Tabak bereits vor einer Operation sich geringfügig positiv auswirken kann. Bei längerer Anwendung von Schmerzmitteln bei Postnukleotomie- oder Postlaminektomie-Syndrom sind Nebenwirkungen (z.B. Magen-Darm-Beschwerden) zu erwarten.

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die Inhalte unseres Nervenschmerz-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem approbierten Arzt.