Tipps

Nervenschmerzen Kopf (Neuralgie) | Ursachen & Behandlung

Zuletzt aktualisiert am: 23.06.2016 17:47:35
Nervenschmerzen Kopf (Neuralgie) | Ursachen & Behandlung

Nervenschmerzen im Hinterkopf oder im Bereich des Gesichts sind für Betroffene oftmals eine Qual: Brennende oder blitzartig schießende Schmerzen, die durch Bewegungen oder äußere Einflüsse ausgelöst werden, bringen erhebliche Einbußen der Lebensqualität mit sich. Eine Neuralgie kann durch eine Entzündung des Nervs, durch Einklemmen bzw. Einquetschen oder andere Gründe verursacht werden. Häufig folgen die Schmerzen einem bestimmten Muster, wobei sich Schmerz- und schmerzfreie Phasen abwechseln. Die Therapie ist meist langzeitorientiert und kann oft nur zu einer Linderung des Schmerzes beitragen. Komplementärmedizinische Maßnahmen haben sich bewährt.

Nervenschmerzen im Kopf: Ursachen und Symptome

Ob Kopfschmerzen durch eine Neuralgie ausgelöst werden, lässt sich oft nur durch eine ärztliche Diagnose feststellen: Wenn die Schmerzen entlang einer Nervenbahn verlaufen, ein bestimmtes Schmerzmuster aufweisen und z. B. durch bestimmte Ereignisse (Trigger) ausgelöst werden. Wird durch die Blockade des Nervs mit einem Lokalanästhetikum Schmerzfreiheit erreicht, kann dies als diagnostische Therapie angesehen werden. Symptome einer Neuralgie des Kopfes hängen daher davon ab, welcher Nerv beteiligt, d.h. durch bestimmte Einflüsse geschädigt ist.

Einfache Ursachen sind z. B.:

  • Kopfschmerz durch äußeren Druck: Bereits ein enger Hut, ein Stirnband oder eine Schwimmbrille können Hautnerven reizen und Kopfschmerzen verursachen. Im Allgemeinen verschwindet dieser Schmerz, sobald der Druck nachlässt. Bei empfindlichen Personen kann sich jedoch ein migräneartiger Kopfschmerz entwickeln.
  • Kopfschmerz durch Kälte: Starke Kälte, aber auch Schwimmen in sehr kaltem Wasser kann eine vorübergehende Neuralgie am Kopf verursachen, die wieder nachlässt, sobald der Kältereiz verschwindet.

Die häufigsten schwerwiegenden Neuralgien im Kopf:

  • Trigeminusneuralgie: Diese typischerweise einseitigen Nervenschmerzen am Kopf ziehen sich meist über die Wange oder das Kinn entlang des 2. oder 3. Astes des Nervus trigeminus. Die stechenden, scharfen Schmerzen werden häufig durch ganz »normale« Reize - Zähneputzen, Rauchen, Waschen, Rasieren, Sprechen, seltener durch Licht oder Geräusche - ausgelöst, können aber auch spontan auftreten. Die Schmerzmuster sind dabei für jeden einzelnen Patienten recht typisch und wiederholen sich. Nach einer Schmerzphase, die auch von Verkrampfungen (Spasmen) der Gesichtsmuskulatur begleitet sein kann, folgt häufig eine schmerzfreie Phase. Auslöser für die Reizung des Trigeminusnervs ist in vielen Fällen eine Quetschung der Nervenwurzel durch ein geschlängeltes Blutgefäß. Fehlt die schmerzfreie Phase und kommt es somit zum Dauerschmerz, handelt es sich um eine symptomatische Trigeminusneuralgie, deren Ursache nicht die Kompression durch ein Blutgefäß ist.
  • Okzipitalneuralgie: Eine Ursache für die meist einseitigen Nervenschmerzen am Hinterkopf, die sich bis zum Scheitel erstrecken können, wird häufig nicht gefunden. Manchmal entsteht die Neuralgie am Hinterkopf nach einem Trauma (Unfall), durch starke Verspannungen und Verhärtungen im Bereich der Nackenmuskeln oder durch degenerative Veränderungen. Die betroffene Kopfregion reagiert empfindlich auf Druck, auch Taubheitsgefühle sind möglich.
  • Postherpetische Neuralgie: Die häufigste Komplikation nach einem Herpes Zoster (Gürtelrose) ist die postherpetische Neuralgie, die bei bis zu einem Drittel der Erkrankten auftritt (bei älteren, unbehandelten Patienten bei bis zu 75%). Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Durch die Reaktivierung des Varizella-zoster-Virus, (Windpockenvirus) kommt es zu Schädigungen von Nerven und Nervenknoten.

Seltener treten am Kopf folgende Nervenschmerzen auf:

  • Glossopharyngeusneuralgie: Durch Schlucken, Husten Sprechen oder Gähnen werden einseitige, starke, stechende Schmerzen am Kieferwinkel bzw. Zungengrund ausgelöst, wobei die Nervenschmerzen vom Kopf bis zum Ohr ausstrahlen können.
  • Intermediusneuralgie: Neben Ohrenschmerzen können zusätzlich Tränen- oder vermehrter Speichelfluss sowie Geschmacksveränderungen auftreten.
  • Laryngeus-superior-Neuralgie: Beim lauten Rufen, Schlucken oder beim Drehen des Kopfes werden Schmerzen im Bereich des Unterkiefers bzw. unterhalb des Ohres ausgelöst.
  • Nasoziliarisneuralgie: Nur durch die Berührung eines Nasenlochs wird ein schneidender Schmerz ausgelöst, der sich nach oben bis in die Stirnregion erstreckt.
  • Nacken-Zungen-Syndrom: Akute Nervenschmerzen, die Kopf und Nacken betreffen und in der Zunge Missempfindungen auslösen, sind meist einseitig lokalisiert und können durch abruptes Drehen des Kopfes ausgelöst werden. Ursache ist eine Einengung des Zungen- bzw. Unterzungennervs.

Weitere Nervenschmerzen können im Zuge einer Entzündung des Augennervs (Opticusneuritis), einer Multiplen Sklerose, als Folge eines Diabetes (okuläre diabetische Neuropathie), beim Tolosa-Hunt-Syndrom etc. entstehen.

Anzeige

Behandlungstipps für Nervenschmerzen am Kopf

Die Trigeminusneuralgie wird meist mit Medikamenten (z.B. Carbamazepin) behandelt, wobei die Nebenwirkungen (Benommenheit, Einschränkungen in der Sinneswahrnehmung, Hautreaktionen etc.) oft erheblich sein können. Etwa 70% der Patienten sprechen zunächst auf die medikamentöse Therapie an, bei der Hälfte der Patienten ist die Schmerzlinderung jedoch nach einiger Zeit nicht mehr ausreichend, sodass ein chirurgischer Eingriff in Betracht gezogen wird. Bei einer Okzipitalneuralgie kann der Nerv mit einem Lokalanästhetikum, das sowohl zur Diagnose als auch zur Behandlung dient, blockiert werden, sodass die Neuralgie des Hinterkopfs oft für mehrere Wochen verschwindet. Die postherpetische Neuralgie stellt für Patienten und Behandler eine große Herausforderung dar. Oft ist eine multidisziplinäre Vorgehensweise notwendig. Bei der Gabe von Medikamenten (Lidocain-Pflaster, Capsaicin-Creme, Amitriptylin, Gabapentin etc.) ist stets mit Nebenwirkungen zu rechnen, besonders bei längerfristiger Einnahme. Bei Nervenschmerzen des Kopfes, gleich welcher Art, ist oftmals eine ganzheitliche Herangehensweise am erfolgreichsten, die individuell auf die Bedürfnisse des Patienten eingeht.

  • Ergo-, Physiotherapie: Krankengymnastik, Massagen, manuelle Therapien etc. wirken Verspannungen entgegen und verbessern Beweglichkeit und Körperwahrnehmung.
  • Physikalische Anwendungen: Wärme- bzw. Kälteanwendungen, Hochton- und Magnetfeldbehandlungen können Stoffwechsel und Schmerzen manchmal positiv beeinflussen.
  • Schmerz-Psychotherapie: Kognitive Verhaltenstherapie, computergestütztes Biofeedback und andere Lösungsansätze können bei einem Nervenschmerz im Kopf das Schmerzkarussell durchbrechen.
  • Naturheilkundliche Behandlungen unterstützen die Selbstregulationskräfte des Körpers
  • Akupunktur: Besonders durch Triggerpunktbehandlung sind manchmal Verbesserungen zu erreichen.
  • Klassische Homöopathie: Durch die Gabe eines speziell für den Patienten ausgewählten Arzneimittels sind oftmals dauerhafte Verbesserungen zu erzielen.

Tipps rund um Nervenschmerzen 

Anzeige

Nervenschmerz des Kopfes: Risiken

Bei längerem Bestehen eines Schmerzzustandes kann es zur Chronifizierung bzw. Verselbständigung des Schmerzes kommen. Daher ist ein möglichst frühzeitiger Kontakt mit einer Schmerzambulanz bzw. -klinik durchaus sinnvoll. Die längerfristige Einnahme von starken Schmerzmedikamenten bei einer Neuralgie im Kopf führt oftmals zu starken Nebenwirkungen, daher sind schonende, komplementärmedizinische Verfahren stets als Alternative bzw. zur Ergänzung stets in Betracht zu ziehen.

Weiterlesen

Service

Anzeige
Apotheke
finden
oder
Kaufen Sie Keltican forte bei in einer Apotheke in Ihrer Nähe
Liebe Leser,
die Inhalte unseres Nervenschmerz-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem approbierten Arzt.