Tipps

Nervenschmerzen im Gesicht (Neuralgie) | Ursachen & Behandlung

Zuletzt aktualisiert am: 24.06.2016 12:11:54
Nervenschmerzen im Gesicht (Neuralgie) | Ursachen & Behandlung

Nervenschmerzen im Gesicht können eine Vielzahl von Auslösern haben. Oftmals lassen sie sich jedoch auf Entzündungen oder Reizungen der Gesichtsnerven zurückführen. Eine der häufigsten Gründe ist die Trigeminusneuralgie, bei welcher der Schmerz vom fünften Hirnnerv, auch als Trigeminusnerv bezeichnet, ausgeht.

Typische Symptome und Ursachen einer Gesichtsneuralgie

Eine Trigeminusneuralgie äußert sich in plötzlich auftretenden, nur wenige Sekunden bis maximal zwei Minuten andauernden, extrem starken Gesichtsschmerzen. Die Schmerzen bei dieser Erkrankung zählen zu den heftigsten überhaupt. Betroffene beschreiben sie als stromstoßartig oder blitzartig einschießend. Die Schmerzattacken wiederholen sich teilweise häufig und rasch. Sie treten schlagartig auf, typischerweise aber auch:

  1. nach dem Berühren der Wange oder Stirn
  2. beim Sprechen, Kauen, Schlucken, Lachen oder Zähneputzen
  3. durch einen Luftzug

Begleitet wird der Nervenschmerz des Gesichts in vielen Fällen von Rötungen oder/und Tränenfluss. Einige der Symptome wie das einseitige, anfallartige Auftreten, die Schmerzintensität und die zwischendurch bestehende Beschwerdefreiheit ähneln denen beim Cluster-Kopfschmerz. Der Nervenschmerz des Gesichts wird bei der Trigeminusneuralgie von einer Schädigung des Trigeminusnervs verursacht. Dessen drei Äste versorgen verschiedene Regionen des Gesichts. Kommt es in seinem Verlauf in einem Bereich zu Druck und daraus resultierend zur Beschädigung der Nervenscheide, entlädt der Nerv sich spontan. Diese Entladung verursacht im durch den Trigeminusnerv versorgten Gebiet (Augen, Wangen, Stirn, Kiefer inklusive Zähnen) schwere, anfallartige Nervenschmerzen.

Je nach Ursache der Neuralgie des Gesichts werden zwei Formen dieser Erkrankung unterschieden: die klassische und die symptomatische. Der klassischen Ausprägung liegt ein krankhafter Gefäß-Nerv-Kontakt zugrunde. Der Nervenschmerz im Gesicht entsteht hierbei durch den Druck benachbarter Blutgefäße auf den Nerv. Oft handelt es sich bei den Auslösern um Schlagadern, die verdickt und starrer als gewöhnlich sind, beispielsweise aufgrund einer Arterienverkalkung. Die Verdickungen durchdringen die zwischen Nerven und Blutgefäßen liegenden Isolierschichten und wirken auf den Nerv ein oder schädigen diesen sogar.

Die zweite Form der Schmerzen am Gesichtsnerv, die symptomatische Trigeminusneuralgie, resultiert aus einer anderen Erkrankung. So kann durch Entmarkungserkrankungen wie der Multiplen Sklerose der Nerv selbst entzündet sein. Ist dies der Fall, ist eine Schädigung der Nervenscheide an der Eintrittsstelle der Nervenwurzel der Grund für die Schmerzattacken im Gesicht. Bei den häufig jüngeren Betroffenen treten die Neuralgien zum Teil auch in beiden Gesichtshälften gleichzeitig auf. Verschiedene Raumforderungen kommen ebenfalls als Auslöser dieser Art der Trigeminusneuralgie infrage. Das heißt, es können gutartige Nerventumore oder die Tochtergeschwülste eines bösartigen Krebsherdes bei entsprechender Größe auf den Nerv drücken oder einen krankhaften Gefäß-Nerv-Kontakt bewirken und auf diese Weise Schmerzen im Gesicht von den Nerven ausgelöst werden. Weitere Ursachen sind beispielsweise die Ischämie (Mangeldurchblutung) oder Gefäßfehlbildungen (Angiome) des Hirnstamms.

Anzeige

Wie lassen sich Neuralgien des Gesichts behandeln?

Da nicht immer eine Trigeminusneuralgie der Auslöser für die Nervenschmerzen des Gesichts ist, müssen bei der Diagnose noch andere Quellen in Betracht gezogen werden. Manchmal lässt sich ein idiopathischer Gesichtsschmerz nur schwer von der Neuralgie des Trigeminusnervs unterscheiden. Schmerzattacken im Wechsel mit schmerzfreien Intervallen sind auch beim Cluster-Kopfschmerz charakteristisch. Die Erkrankungen von Nasennebenhöhlen, Zähnen und Augen können weitere mögliche Gründe für Gesichtsnervenschmerzen sein. Diese sollten vor der Behandlung ebenso ausgeschlossen werden, wie Kiefergelenksprobleme oder muskuläre Verspannung in der Halsmuskulatur.

Um sicherzugehen, dass die Schmerzen im Gesicht von den Nerven ausgehen, ist es daher wichtig, die Krankheitszeichen genau zu erfassen, um Kopfschmerzen oder andere Formen des Gesichtsschmerzes auszuschließen. Ist tatsächlich die Trigeminusneuralgie der Auslöser für den Nervenschmerz im Gesicht, kommen zunächst meist Medikamente zur Schmerzvorbeugung zur Anwendung. Sogenannte Analgetika zeigen hier jedoch in der Regel keinen Effekt, da ihre Wirkung frühestens nach dreißig Minuten einsetzt, die Schmerzattacken dann aber bereits vorüber sind. Für die Behandlung der Neuralgie Gesichtsschmerzen bietet sich insbesondere der Wirkstoff Carbamazepin an, da er weiteren Schmerzen am wirksamsten vorbeugt. Um die Nebenwirkungen gering zu halten, sollte die Dosierung nur langsam angehoben werden.

Verschlimmern sich die Neuralgien im Gesicht plötzlich, sodass ein schnelles Eingreifen erforderlich wird, kommt der Arzneistoff Phenytoin zur Akutbehandlung zum Einsatz. Ist eine multiple Sklerose für die Trigeminusneuralgie verantwortlich, eignet sich der Wirkstoff Misoprostol für die Therapie. Wirken die Medikamente nicht ausreichend, sind mit der Einnahme zu starke Nebenwirkungen verbunden oder ist es möglich die Ursache der Neuralgien im Gesichtsbereich operativ zu beheben, kann auch ein chirurgischer Eingriff als Behandlungsmethode infrage kommen. Für die Operation bei Neuralgie Gesichtsschmerzen stehen verschiedene "Ganglion-Gasseri-Techniken" zur Auswahl. Hierbei wird durch den Operateur eine Nadel unter örtlicher Betäubung über die Wange bis hin durch den Trigeminusnerv gebildeten Nervenknoten (Ganglion Gasseri) eingeführt, über die er die für die Schmerzleitung zuständigen Nervenfasern zerstört. Die Zerstörung erfolgt:

  • thermisch (durch Hitze per Sonde = Thermokoagulation)
  • chemisch (durch Glyzerin = Glyzerinrhizolyse)
  • mechanisch (per Ballonkatheter = Ballonkompression)

Weitere Verfahren zur Behandlung der Trigeminusneuralgie als Ursache für Nervenschmerzen im Gesicht sind die mikrovaskuläre Dekompression und die Radiochirurgie.

Anzeige

Risiken der Ganglion-Gasseri-Techniken und anderer Operationsmethoden

Eine Operation am oder im Ganglion Gasseri kann zur Entstehung einer herabgesetzten Berührungs- und Druckempfindlichkeit bzw. zur Empfindungsstörung der betroffenen Gesichtsseite führen. In seltenen Fällen resultiert aus einer solchen Behandlung ein Dauerschmerz. Mit einem höheren Operationsrisiko verbunden ist die mikrovaskuläre Dekompression, die in bis zu drei Prozent aller derartigen Eingriffe zum einseitigen Hörverlust, zu Blutungen und zur Schwellung des Kleinhirns führt. Die niedrigste Komplikationsrate hat die Radiochirurgie, bei der jedoch die Erfolgsrate bei der Beseitigung der Nervenschmerzen des Gesichts am geringsten ist.

Weiterlesen

Service

Anzeige
Apotheke
finden
oder
Kaufen Sie Keltican forte bei in einer Apotheke in Ihrer Nähe
Liebe Leser,
die Inhalte unseres Nervenschmerz-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem approbierten Arzt.