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Nervenschmerzen im Arm (Neuralgie) | Ursachen & Behandlung

Zuletzt aktualisiert am: 24.06.2016 12:18:22
Nervenschmerzen im Arm (Neuralgie) | Ursachen & Behandlung

Die auftretenden Schmerzen sind in der Regel stärker und durchdringender als gewöhnliche Muskel- oder Bindegewebsschmerzen. Sie betreffen meist den gesamten Arm und werden von einer Vielzahl der Patienten als kaum aushaltbar empfunden. Häufig begleiten außerdem Missempfindungen wie Taubheit und Kribbeln die Neuralgien am Arm.

Ursachen und Symptome von Nervenschmerzen an der Schulter oder im Arm

Ein Nervenschmerz im Arm kann sich über die Hand, den Oberarm oder den Unterarm erstrecken, aber auch bis in das Schulterblatt ausstrahlen. Als Nervenschmerzen am Oberarm werden alle schmerzhaften Beschwerden zwischen Schultergelenk und Ellbogen bezeichnet. Oberarmschmerzen treten in den meisten Fällen bei bestimmten Bewegungen als ziehender Schmerz entlang einzelner Nervenbahnen auf. So empfinden viele Patienten bei Überkopfbewegungen, unter anderem beim Haarekämmen oder beim Anziehen eines Pullovers, ein Schmerzgefühl im Oberarm. Teilweise hören die gesundheitlichen Probleme selbst während der Nachtruhe nicht auf. Beispielsweise führt das Schlafen in Seitenlage zu Oberarmschmerzen, welche die Betroffenen oftmals aus dem Schlaf reißen. Daraus resultieren häufig Schlafmangel und chronische Müdigkeit.

Kommt es durch die Beeinträchtigungen von Nerven und Nervenbahnen zu Schmerzen im Oberarm, sind oft nicht nur einzelne Muskeln involviert, sondern ganze Muskelgruppen innerhalb des Versorgungsbereichs des jeweiligen Nervs. Derartige Fälle gehen außerdem nicht selten mit einem Kribbeln in den Gliedern oder einem wiederholten Einschlafen der Hände einher. Auch Beschwerden im Nacken, in der Schulter und im Halsbereich, zum Beispiel Nervenschmerzen am Schulterblatt oder Nackenverspannungen treten hierbei ebenfalls häufig auf. Die zum Nervenschmerz im Oberarm führenden Schäden an den Nerven lassen sich vielfach auf wiederkehrende Fehlbelastungen wie bestimmte Tätigkeiten bei der Fließbandfertigung oder eine ungünstige Körperhaltung beim Arbeiten am Computer zurückführen. Aus der falschen Belastung resultiert eine schmerzhafte Verhärtung einzelner Muskeln oder ganzer Muskelgruppen, welche infolgedessen einen Druck auf die umliegenden Nervenbahnen ausüben. Für großflächige Oberarmschmerzen ist unter Umständen ein eingeklemmter Nerv verantwortlich. Diese sogenannte Nervenkompression tangiert häufig spezielle Bereiche des Nervengeflechts in der Schulterpartie. Oft tritt sie nur bei bestimmten Bewegungen auf, sodass die Betroffenen beispielsweise beim Heben des Arms unter Schmerzen leiden. Handelt es sich hingegen um eine dauerhafte Kompression im Ruhezustand, verspüren die Patienten anhaltende Nervenschmerzen im Oberarm.

Oft liegt den Schmerzen im Arm und Schulter eine Nervenentzündung zugrunde. Neben den Oberarmschmerzen treten in westlichen Industriegesellschaften aufgrund der weitverbreiteten PC-Arbeit auch Nervenschmerzen im Unterarm verhältnismäßig häufig auf. Oft zeigen sich die Beschwerden während einer Bewegung, mitunter aber auch in Ruhephasen. Die Schmerzen sind gewöhnlich stechend, reißend oder ziehend und bei manchen Patienten so stark, dass sie Hand- und Fingerbewegungen nahezu unmöglich machen. Nervenreizungen können sich zum Beispiel auf den Nervus Radialis (Speichennerv) erstrecken, der, in der Achsel nach hinten verlaufend, etwa in Höhe der Außenkante des Schulterblatts eine Engstelle passieren muss. Dort kann eine Überbeanspruchung des Unterarms bei der PC-Arbeit oder ein unnatürliches Nach-Innen-Drehen von Arm und Schulter zu einer Verspannung der Muskeln führen, die wiederum den Nervus Radialis reizen oder abklemmen. Durch das Aufstützen des Ellbogens kann darüber hinaus der Nervus Ulnaris (Ellennerv), der dritte versorgende Nerv im Unterarm, abgeklemmt werden und Ellbogenschmerzen oder Beschwerden an der Arm-Innenseite hervorrufen.

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Behandlungsmöglichkeiten bei Nervenschmerzen in der Schulter und im Arm

Viele Betroffene werden durch die stetigen Schmerzen regelrecht psychisch ausgezehrt und haben zum Teil keine Lebensfreude mehr. Sie fühlen sich nicht verstanden von den Mitmenschen, leiden unter Depressionen und isolieren sich zunehmend. Die Nervenschmerzen an Arm und Schulter oder in der Hand erscheinen noch belastender. Um diese Entwicklung zu stoppen und den Patienten ins normale Leben zurückzuhelfen, ist es unbedingt notwendig, den Schmerz frühzeitig mithilfe einer geeigneten Behandlung zu unterdrücken und zu verhindern, dass sich ein Schmerzgedächtnis entwickelt. Ob die Nervenschmerzen im rechten Arm auftreten oder im linken - das Therapieziel ist dasselbe: die richtigen Schmerzmittel und eine angemessene Dosierung zu finden und auf diese Weise dem Patienten ein weitgehend oder gänzlich schmerzfreies Leben zu ermöglichen. Bevor die Nervenschmerzen des Arms behandelt werden können, ist zunächst eine exakte Abklärung der Ursache erforderlich.

Erste Hinweise auf den Auslöser gibt oft bereits die genaue Beschreibung der Symptomatik. Weitere wichtige Anhaltspunkte zur Diagnosestellung bei Nervenschmerzen in Schulterblatt und Arm ergeben sich aus einer körperlichen Untersuchung, die das Abtasten von Arm-, Schulter- und Nackenbereich, bei Bedarf aber auch bildgebende Verfahren wie die Computertomografie (CT) oder die Magnetresonanztomografie (MRT) einschließt. Bei Nervenschmerzen im linken Arm wird üblicherweise ein Elektrokardiogramm (EKG) durchgeführt, um einen Herzinfarkt auszuschließen, dessen Symptome ähnlich sein können. Daneben ist es für eine erfolgreiche Behandlung einer Neuralgie an der Schulter, am Arm oder an der Hand von Vorteil, dass die Betroffenen die grundlegende Wirkungsweise der jeweiligen Schmerzmittel kennen.

Tipps rund um Nervenschmerzen im Arm

Wenn die Schmerzen im Arm durch die Nerven verursacht werden, kommen in erster Linie Medikamente zur Anwendung, die ursprünglich der Therapie von depressiven Erkrankungen (Antidepressiva) und krampfartigen Anfällen (Antikonvulsiva) dienten. Krampfartigen, epileptischen Anfällen und den Schmerzen im Arm und Schulter infolge von Nervenerkrankungen haben gemein, dass in beiden Fällen übererregte Nervenzellen eine übermäßige Aussendung von Nervenimpulsen bewirken. Antikonvulsiva sorgen für eine Stabilisierung der Nervenzellen und verhindern dadurch das ununterbrochene Weiterleiten von Signalen. Die Schmerzschwelle wird angehoben und die Schmerzempfindlichkeit gesenkt. Diese Substanzklasse kommt vor allem für die Behandlung brennender, einschießender Nervenschmerzen in der Schulter oder im Arm zur Anwendung. Bevorzugt werden hierbei insbesondere Wirkstoffe wie Gabapentin, welches, verglichen mit anderen Antikonvulsiva, weniger Nebenwirkungen hat.

Bei lang anhaltenden, brennenden Nervenschmerzen im Arm und Hand kommen dagegen trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin zum Einsatz. Diese sollen jedoch nicht, wie von manchen Patienten befürchtet, Depressionen behandeln. Vielmehr wird bei Nervenschmerzen im Arm und Schulter der schmerzlindernde Effekt dieser Substanzklasse ausgenutzt. Lassen sich die Nervenschmerzen am Arm durch Antidepressiva, Antikonvulsiva oder lokale Betäubungsmittel nicht ausreichend abschwächen, werden diese Präparate mit Schmerzmitteln kombiniert. Der frühzeitige Einsatz von effektiven Schmerzmedikamenten ist auch deshalb sinnvoll, weil die Antidepressiva zum Teil erst nach zwei bis vier Wochen wirken.

Wenn die Nervenschmerzen den Arm oder die Hand betreffen, verschreiben die Ärzte hauptsächlich Arzneimittel, die das zentrale Nervensystem beeinflussen. Dazu zählen unter anderem das Morphin und dessen chemische Verwandte, die Opioide. Diese binden sich an besondere Opioid-Rezeptoren in Rückenmark oder Gehirn und verringern dadurch die Erregbarkeit der Nervenzellen. Schmerznachrichten vom peripheren Nervensystem werden nur noch mit geringer Empfindlichkeit oder überhaupt nicht mehr aufgenommen. Auch die Weiterleitung von Nervenimpulsen erfolgt weniger stark oder wird komplett unterbrochen. Wenn in der Hand, im Arm oder in der Schulter Nervenschmerzen auftreten, erfolgt die Behandlung nach dem 1986 zur Therapie von Tumorschmerzen aufgestellten WHO-Stufenschema. Dieses stellt eine wichtige Orientierungshilfe für Patienten und Ärzte dar, ist jedoch keine feste Vorgabe, von der nicht abgewichen werden darf. Die Schmerzbehandlung beim Nervenschmerz des Arms richtet sich grundsätzlich nach der jeweiligen Schmerzintensität. Dabei erweist es sich häufig als sinnvoll, die erste Stufe auszulassen und die Therapie sofort mit den Medikamenten der Stufen II oder III anzufangen. Zur Stufe I gehören beispielsweise:

  • Metamizol
  • Diclophenac
  • Acetysalizylsäure

Diese zeigen bei Nervenschmerzen allerdings oftmals keine Wirkung. Handelt es sich um eher leichte Beschwerden, kann ein Versuch dennoch lohnen. Bringen diese Mittel keine Linderung, können sie mit den morphinähnlichen Medikamenten der Stufe II, den sogenannten schwachen Opioiden kombiniert werden, beispielsweise mit den Wirkstoffen Tramadol oder Naloxon/Tilidin. Eine derartige Kombination verbessert die Schmerzlinderung, da die Substanzen der ersten beiden Stufen unterschiedliche Wirkmechanismen aufweisen. Wird auch damit keine ausreichende Schmerzreduktion erreicht oder treten im Verhältnis zum Nutzen zu starke Nebenwirkungen auf, kommen in Stufe III opioidhaltige Schmerzmittel wie Fentanyl oder Morphin zum Einsatz.

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Medizinische Risiken und Folgen der Behandlung

Die medikamentöse Therapie von Nervenschmerzen rechter Arm, Nervenschmerzen linker Arm und Neuralgien im Bereich der Hand oder der Schulter bringt einige Nebenwirkungen mit sich. So führen Antidepressiva neben der erwünschten Schmerzlinderung oft zu Mundtrockenheit, Schwindel, Verstopfung, Müdigkeit, Schlafstörungen und Vergesslichkeit. Opioide zeigen zwar eine gute Wirkung bei neuropathischen Schmerzen, führen aber außerdem in vielen Fällen zu Müdigkeit, Erbrechen, Schwindel, Halluzinationen und Verwirrtheit. Des Weiteren können sie bei längerfristiger Anwendung körperlich abhängig machen und beim plötzlichen Absetzen Entzugserscheinungen bewirken. Daher ist es ratsam, die Dosis nur langsam zu reduzieren. Heute sind sogenannte Retard-Präparate erhältlich, die den Wirkstoff nur verzögert freisetzen. Werden diese Medikamente korrekt eingenommen, ist die Suchtgefahr wesentlich geringer. Zudem bleibt die Wirkstoffkonzentration über acht bis zwölf Stunden weitgehend konstant. Zusätzlich zu den bereits genannten Nebenwirkungen haben opioide Schmerzmittel weitere unerwünschte Randerscheinungen wie:

  • erschwerte Blasenentleerung
  • Blutdruckabfall
  • Verschluss der Gallenwege
  • Hautrötungen
  • Juckreiz
  • Nesselsucht
  • erhöhte Wehentätigkeit
  • Krämpfe der Atemwege bei Asthmatikern

Da Opioide bei vielen Menschen stimmungsverbessernd wirken, werden sie zum Teil nicht bestimmungsgemäß verwendet. Daher kommen sie nur auf Rezept und nur unter ärztlicher Kontrolle zur Anwendung. Morphin und ähnliche opioide Schmerzmedikamente unterliegen sogar den strengen Vorschriften des Betäubungsmittelgesetzes. Die Verschreibung erfordert spezielle Rezepte (BTM-Rezepte). Dieser erhöhte bürokratische Aufwand und die Furcht vor der Abhängigkeit führen dazu, dass Schmerzpatienten in Deutschland oftmals auf eine angemessene Versorgung verzichten müssen. Bei richtiger Dosierung gelten Opioide jedoch als sicher und gut wirksam, während die Gefahr, süchtig zu werden, bei ärztlich kontrollierter Applikation geringer ist als gemeinhin vermutet.

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