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Nervenschmerzen durch Vitaminmangel | Infos & Behandlung

Zuletzt aktualisiert am: 24.06.2016 12:41:12
Nervenschmerzen durch Vitaminmangel | Infos & Behandlung

Vitamine sind definitionsgemäß organische chemische Verbindungen (d.h. auf Basis des Elements Kohlenstoff), die der menschliche Körper entweder gar nicht oder nur in unzureichender Menge selbst herstellen kann. Sie sind jedoch für zahlreiche Funktionen des Körpers unverzichtbar und müssen daher mit der Nahrung zugeführt werden. Vitamine können fett- oder wasserlöslich sein und werden in ebendiese zwei Gruppen unterschieden. Fettlösliche Vitamine sind die Vitamine A, D, E, K (Merkhilfe: „EDKA“ - ausgesprochen wie eine deutsche Supermarktkette). Diese können vom Körper nur in Verbindung mit Speiseölen oder –fetten in ausreichendem Maße aufgenommen werden. Speziell ein Mangel der beiden fettlöslichen Vitamine E und D kann an der Entstehung von Nervenschmerzen beteiligt sein.

Medizinische Fakten

Nervenschmerzen, sogenannte neuropathische Schmerzen, beruhen auf einer Irritation oder Schädigung des Nervs selbst und können zahlreiche Ursachen haben. Neben neuropathischen Schmerzen als Begleiterscheinung anderer Erkrankungen wie des Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) können Unterversorgungen des Körpers mit bestimmten Nährstoffen Auslöser sein.

Vitamine stellen eine Gruppe wichtiger Substanzen für den Erhalt der normalen Nervenfunktion dar. Folglich kann ein Mangel an Vitaminen (Hypovitaminose) zu Irritationen eines oder mehrerer Nerven führen. Das fettlösliche Vitamin E (Tocopherol) ist ein Hemmstoff für die Nervenschmerzen fördernde Substanz MIF (Macrophage Migration Inhibitory Factor). Durch Bindung und damit Neutralisierung dieser schmerzfördernden Substanz durch Vitamin E kann verhindert werden, dass eine Reihe weiterer Botenstoffe (Zytokine) ausgeschüttet und der Nervenschmerz verstärkt wird. Vitamin E kann nach Studienerfahrungen in der praktischen Anwendung als schmerzlindernde Zusatztherapie zu herkömmlicher, schulmedizinischer Schmerzmedikation empfohlen werden.

Vitamin D (Calciferol) ist Gegenstand zahlreicher Untersuchungen zum Nervenschmerz im Rahmen des Diabetes mellitus (diabetische Polyneuropathie). Obwohl die genaue biochemische Grundlage bislang nicht geklärt werden konnte, wurde in Studien beobachtet, dass Nervenschmerzen bei Diabetes mellitus nachweislich häufig mit einem Mangel an Vitamin D einhergehen. In der Folge gilt ein Vitamin D Mangel als eigenständiger Risikofaktor für diabetischen Nervenschmerz. Eine abschließende Empfehlung zur vermehrten Einnahme von Vitamin D zu therapeutischen Zwecken hat bislang jedoch keinen Einzug in Therapieempfehlungen gefunden.

Neben den fettlöslichen Vitaminen E und D spielen auch die wasserlöslichen Angehörigen des Vitamin B-Komplexes eine tragende Rolle bei der Entstehung neuropathischer Schmerzen. Ein Mangel an Vitamin B1 (Thiamin) kann sich vor allem im Anfangsstadium durch brennende Schmerzen anzeigen. Es kann zu Schmerzen und Brennen speziell in den Beinen, Füßen und Zehen kommen. Im unbehandelten Verlauf eines Vitamin B1 Mangels breiten sich die Schmerzen klassischerweise auch auf die obere Extremität mit Betonung der Hände aus.

Ein Vitamin B12 (Cobolamin) Mangel kann typischerweise mit einem Taubheitsgefühl und Missempfindungen (Dysästhesie) bis hin zu Nervenschmerzen der Hände einhergehen. Ursächlich für diese Vitaminmangelsymptome konnten Schädigungen an den isolierenden Umhüllungen (Myelinscheiden) der Nervenzellfortsätze ausfindig gemacht werden.

Ähnlich kann auch ein Mangel an Vitamin B6 (Pyridoxin) zu Missempfindungen und Nervenschmerzen aufgrund von Schäden an den Nervenumhüllungen führen. Ein Mangel an Vitamin B3 (Niacin) kann sowohl die Nerven außerhalb des zentralen Nervensystems (also außerhalb von Gehirn und Rückenmark) als auch die Nervenzellen von Gehirn und Rückenmark selbst schädigen und so Nervenschmerzen verursachen. Jedoch sind Nervenschmerzen bei Vitamin B3 Mangel in aller Regel nur mild ausgeprägt; vordergründig sind dann meist andere Symptome (Symptome an der Haut).

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Behandlung & Tipps

Neuropathische Schmerzen im Rahmen eines Vitaminmangels sind ohne bestehende Vorerkrankung oder genetische Mutation (sprunghafte oder weitergegebene Veränderung der Erbsubstanz) zumeist allenfalls mild ausgeprägt und mit Ausgleich des Mangels wieder rückläufig. Sicherheitshalber sollte jeder Verdacht einer Nährstoffunterversorgung mit einem Arzt abgeklärt werden. Insbesondere bestehende oder neu diagnostizierte Erkrankungen wie beispielsweise ein Diabetes mellitus mit Nervenschmerzen sollten stets unter regelmäßiger ärztlicher Kontrolle therapiert werden.

Leichte Vitaminmangelzustände können meist mit einer ausgewogenen Ernährung ausgeglichen werden. Vitamin E findet sich vor allem in pflanzlichen Ölen, frischem Gemüse und Obst. Rund 50 g Haselnüsse können den Tagesbedarf bereits decken. Vitamin D wird vom Körper selbst gebildet. Um eine ausreichende Menge dieses wichtigen Stoffes zu produzieren, muss die Haut jedoch möglichst großflächig dem Sonnenlicht ausgesetzt werden (30 Minuten mit T-Shirt oder ähnliches); auf ausreichenden Sonnenschutz sollte jedoch zugleich geachtet werden. Vitamine des B-Komplexes kommen in Getreiden wie Reis oder Hafer, in Hülsenfrüchten oder beispielsweise Nüssen vor. Ungefähr 150 g Haferflocken können den täglichen Bedarf an Vitamin B6 decken.

Vitamin B12 kann in ausreichender Menge nur mit tierischen Produkten zugeführt werden. Frei erwerblich finden sich in Apotheken und Supermärkten zahlreiche Vitamin-Nahrungsergänzungsmittel, die ebenfalls prinzipiell einen Vitaminmangel ausgleichen können. Die oben stehenden Angaben sind nicht mit den individuellen Empfehlungen eines Arztes gleichzustellen, sondern sollten lediglich als Orientierungshilfe dienen.

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Was es zu beachten gilt

Labortechnisch festgestellte Mangelzustände sollten immer ärztlich kontrolliert und gegebenenfalls auch therapiert werden. In jeder Lebensphase (Kindheit, Erwachsenenalter, Schwangerschaft/Stillzeit, Greisentum) variiert der individuelle Bedarf an bestimmten Vitaminen. Zudem kann sich der Vitaminbedarf von Männern von dem von Frauen zum Teil erheblich unterscheiden. Auch eine Überversorgung mit Vitaminen (Hypervitaminose) kann, ähnlich wie eine Unterversorgung, potentiell schädlich sein. Dies betrifft speziell die fettlöslichen Vitamine, da sich diese im fettreichen Körpergewebe anreichern (akkumulieren) können. Die freie Verwendung von Vitamin-Zusatzpräparaten ist aufgrund möglicher Risiken bei Überdosierungen umstritten. Fragen zur (Zusatz-)Versorgung mit Nährstoffen sollten im Idealfall individuell mit einem Arzt geklärt werden.

Quellen

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die Inhalte unseres Nervenschmerz-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem approbierten Arzt.