Diagnostik

Basisuntersuchungen bei Nervenschmerzen

Zuletzt aktualisiert am: 24.06.2016 14:22:30
Basisuntersuchungen bei Nervenschmerzen

Die Anamnese, das Gespräch mit dem behandelnden Arzt hat eine sehr wichtige Bedeutung. Der Patient soll ihm frei und subjektiv berichten und Antworten auf die folgenden Fragen geben: Wo, wann und wie treten die Schmerzen auf? Was hat sich verändert? Wie lange bestehen die Schmerzen schon? Diesen Bericht vervollständigt der Arzt durch gezielte zusätzliche Fragen.

Um sich ein richtiges Bild machen können, kommt als wichtige Ergänzung des Gesprächs der Schmerzfragebogen ins Spiel. Diesen können Sie als Patient möglichst schon vor dem Besuch in der Arztpraxis daheim ausfüllen. Schmerzfragebögen helfen dem Mediziner, sich ein detailliertes Bild über Schmerzintensität-, -lokalisation (die betroffene Körperstelle) und -charakteristik zu machen. Außerdem kann er mithilfe der ausgefüllten Bögen auslösende und verstärkende Faktoren sowie zeitliche Veränderungen des Schmerzes erfassen. Für die Diagnose bei chronischen Schmerzen sind Gespräch und der ausgewertete Fragebogen wichtig.

Klinische Untersuchung (körperlich, neurologisch und orthopädisch)

Die klinische Untersuchung umfasst die körperliche, orthopädische und neurologische Betrachtung des Menschen. In einem ersten Schritt werden Kopf und Gesicht, Haut, Wirbelsäule, Gelenke und Gliedmaßen betrachtet. Das knöcherne Skelett wird hinsichtlich Fehlstellungen oder Fehlbildungen betrachtet. Im Rahmen der neurologischen Untersuchung werden Reflexe, motorische Störungen und Sensibilitätsstörungen (Schmerz-, Temperatur-, Druck- und Berührungsempfindlichkeit) untersucht.

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Messen der Schmerzstärke (VAS-Skala)

Schmerzen sind etwas Subjektives. Dennoch lässt sich die Schmerzstärke anhand eines speziellen Schiebereglers messen. Auf der VAS-Skala wird die subjektiv empfundene Schmerzstärke numerisch abgebildet. Die Skala reicht von der Startmarkierung „0 = kein Schmerz“ bis zur Markierung „10 = stärkster vorstellbarer Schmerz“. Diese Messung sollte mehrfach am Tag, in Ruhe oder unter Belastung vorgenommen werden. Sie dient nicht nur bei der Diagnosestellung, sondern ist auch ein Hilfsmittel für die Erfolgskontrolle einer Therapie.

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Messen der Schmerzempfindlichkeit (QST-Test)

Das gesamte Spektrum schmerzhafter Symptome bei neuropathischen Schmerzen wird mittels einer sogenannten quantitativ sensorischen Testung (QST) analysiert. Dies ermöglicht die Erstellung eines individuellen Schmerzprofils und lässt wiederum Rückschlüsse auf die Ursache der Schmerzen zu. Mit sieben verschiedenen Tests an der Haut werden 13 Parameter erfasst. Im Rahmen einer thermischen Testung werden außerdem verschiedene Parameter bezüglich des Temperaturempfindens untersucht: Eine Thermoelektrode erzeugt Kälte- bzw. Wärmereize im betroffenen Schmerzareal. Im Rahmen der mechanischen Testung prüft man zusätzlich beispielsweise:

  • die Vibrationswahrnehmung mit Hilfe einer Stimmgabel,
  • die Berührungsempfindlichkeit mit einem dünnen Nylonfilament,
  • die Berührungsüberempfindlichkeit (Allodynie) mit einem Pinsel oder mit Nadelstichen (Pinprick)
  • oder die Schwelle, ab der Druck als schmerzhaft empfunden wird.

painDetect: Unterscheidung von neuropathischen und nozizeptiven Schmerzen 

Der sogenannte painDetect-Fragebogen dient zur Unterscheidung zwischen das Nervensystem betreffenden neuropathischen Schmerzen und nozizeptiven Schmerzen, bei denen das zentrale und periphere Nervensystem intakt ist. Er ermöglicht einen systematischen Test (Screening) auf das Vorliegen neuropathischer Schmerzen. Innerhalb von fünf Minuten werden neun Fragen zu Schmerzintensität, -muster und -qualität abgefragt und analysiert. Die Genauigkeit des Tests liegt bei über 80 Prozent.

Das Schmerztagebuch

Um den Erfolg einer Therapie zu überprüfen, zu verbessern oder als Patient zu hinterfragen, ist das Führen eines Tagebuchs, eines Wochen- oder Monatskalenders sehr hilfreich. Der Patient trägt darin seine eigenen Schmerzbeobachtungen, Stimmungen oder auch Aktivitäten ein. Mögliche Tätigkeiten und Aktivitäten pro Tag werden detailliert erfasst, Schmerzen und Stimmungen werden numerisch gemäß einer Skala notiert: Ein Wert von „0“ steht für keine Schmerzen, „10“ steht für stärkste Schmerzen, „0“ für sehr schlechte und „10“ für sehr gute Stimmung. Unser kostenloses Schmerztagebuch können Sie hier herunterladen.

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Liebe Leser,
die Inhalte unseres Nervenschmerz-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Dr. med. Henrike Ottenjann, Ärztin und Fachjournalistin für Medizin