Schmerztherapie

Psychotherapeutische Verfahren in der Schmerztherapie

Zuletzt aktualisiert am: 13.04.2016 16:48:42
Psychotherapeutische Verfahren in der Schmerztherapie

Mithilfe der Psychotherapie können Patienten den richtigen Umgang mit dem Schmerz erlernen und eine bessere Schmerzbewältigung erreichen, denn Schmerzen können auch mit Symptomen wie Angst, Depressionen und Schlafstörungen einhergehen. Gewohnheiten, die den Schmerz verstärken, sollen aufgedeckt und stattdessen gesundheitsförderndes Verhalten erlernt werden.

Was ist ein Psychotherapeut?

Die Berufsbezeichnung "Psychotherapeut" darf nur von psychologischen Psychotherapeuten oder Ärzten mit Psychotherapie-Weiterbildung, sogenannten Fachärzten für Psychotherapie, oder von Kinder- und Jugendpsychotherapeuten benutzt werden.

Ein Psychologe kann durch eine Weiterbildung im Bereich der Psychotherapie tätig sein. Nach dem Psychologiestudium schließt sich entweder eine Vollzeitweiterbildung an, die etwa 3 Jahre dauert, oder eine berufsbegleitende Weiterbildung, die 5 Jahre dauert. Nach erfolgreichem Abschluss der Weiterbildung erhält der Psychologe die Berufsbezeichnung "Psychologischer Psychotherapeut". Die gleichen Bedingungen gelten auch für Kinder- und Jugendpsychologen.

Ärzte, die Psychotherapie durchführen wollen, müssen nach dem Grundstudium der Medizin ein Facharztstudium absolvieren, das 5 Jahre dauert. Eine weiteren Weg, um Psychotherapeut zu werden haben Ärzte, die bereits eine Facharztausbildung in einem anderen medizinischen Bereich, wie zum Beispiel der Allgemeinmedizin oder der Inneren Medizin, gemacht haben. Diese  können durch eine etwa 400 Stunden umfassende Weiterbildung die Zusatzbezeichnung "Facharzt für Psychotherapie" erwerben.

Ein Psychotherapeut kann sich schließlich noch auf verschiedene Schwerpunkte spezialisieren, wie beispielsweise der Behandlung bei chronischem Schmerz.

Was behandelt ein Psychotherapeut?

Ein Psychotherapeut befasst sich prinzipiell mit der Heilung von Menschen mit seelischen Störungen oder Ungleichgewichten. Zu den häufigsten seelischen Problemen zählen unter anderem:

  • Depressionen
  • Essstörungen
  • Zwangserkrankungen
  • Ängste
  • Verhaltensstörungen
  • Stressbedingte Erkrankungen
  • und noch vieles mehr.

Für Menschen mit chronischen Schmerzen wurde die "Spezielle Schmerzpsychotherapie" entwickelt. Dabei lernen die Patienten mit Hilfe des Psychotherapeuten schmerzhemmende Erlebens- und Verhaltensmuster einzuüben. Dies verbessert die Lebensqualität durch eine spürbare Verringerung der chronischen Schmerzempfindung.

Wird die Behandlung eines Psychotherapeuten von der Krankenkasse übernommen?

Üblicherweise übernimmt die Krankenkasse die Kosten für das erste Gespräch und bis zu vier weitere Sitzungen, bei der analytischen Psychotherapie bis zur achten Sitzung. Damit wird Ihnen die Möglichkeit gegeben, den richtigen Therapeuten zu finden. Ab der sechsten bzw. neunten Sitzung ist die Psychotherapie dann eine antragspflichtige Leistung.

Welche Diagnoseverfahren verwendet ein Psychotherapeut?

Zu Beginn führt ein Psychotherapeut ein ausführliches Anamnesegespräch mit dem Patienten. Auch die weitere Diagnostik psychischer Erkrankungen stützt sich überwiegend auf Gespräche, die das Erleben und Empfinden des Patienten erforschen. Es gibt auch sogenannte standardisierte psychologische Tests und Fragebögen, die der Psychotherapeut zur Diagnosestellung nutzen kann. Zudem kann er spezielle internistische und neurologische Untersuchungen durchführen oder anordnen, um organische Ursachen zu erkennen oder auszuschließen.

Wann sollte man zum Psychotherapeuten gehen?

Wenn Sie aufgrund andauernder Schmerzen in eine depressive Stimmung verfallen oder wenn Sie Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung benötigen, sollten Sie nicht zögern und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Wo finde ich einen Psychotherapeuten?

Sollte es der Fall sein, dass sie sich in psychotherapeutische Behandlung begeben möchten, kann Ihnen ein Anruf bei Ihrer Krankenkasse sicher hilfreich sein. Auch Ihr Hausarzt kann Ihnen eine Empfehlung geben.

Psychotherapeutische Maßnahmen können helfen, Vermeidungs- und Schonungsverhalten sowie Ängste abzubauen. In einigen Fällen ist es sogar möglich, den Schmerz wieder völlig zu verlernen. Auch das soziale Umfeld wird erkundet: Belastungen in der Familie oder am Arbeitsplatz, die der Betroffene unter Umständen gar nicht mit seiner Erkrankung in Verbindung bringt, werden erfragt.

Verhaltenstherapeutische und psychodynamische Verfahren (Psychoanalyse und Tiefenpsychologie) können helfen, wenn depressive Stimmungen aufgrund andauernder Schmerzen auftreten oder wenn eine Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung erforderlich ist.

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Psychotherapeutische Strategien zur Schmerzbewältigung

Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) gehört zu den am häufigsten angewandten psychotherapeutischen Verfahren. Diese Therapie geht davon aus, dass körperliche Schmerzen durch psychosoziale oder körperliche Stressoren ausgelöst, verstärkt oder aufrechterhalten werden. Im Rahmen einer Therapie geht es daher zum einen darum, dass der Patient negative Gedanken, Gefühle und Verhaltensmuster durch Situationsanalysen selbst ausfindig macht. Zum anderen soll er lernen, diese dann Schritt für Schritt zu verändern, um aus dem Teufelskreis aus Stress, Schmerz, verstärktem Stress und verstärkten Schmerzen auszubrechen. Anwendung findet die KVT zunehmend auch bei nicht-chronischen Schmerzen wie z.B. Rückenschmerzen. Ziel ist es hier, leichte Schmerzen erst gar nicht chronisch werden zu lassen.

Ein weiteres Verfahren bei chronischen Schmerzen ist die psychodynamische Psychotherapie. Diese tiefenpsychologisch fundierte Therapieform zielt zunächst darauf, durch eine diagnostische Klärung unbewusste oder unverarbeitete Konflikte sowie verdrängte Gefühlsausdrücke aus der Vergangenheit aufzuspüren. Im zweiten Schritt geht es dann darum, verdrängtes Erleben und damit verbundene belastende Gefühle einer bewussten Verarbeitung zuzuführen. Der Patient lernt Verhaltensalternativen kennen, um sich z.B. anders als durch Schmerz vor Überforderung zu schützen. Alternativ kann versucht werden, Bewältigungsstrategien zu erlernen. Dabei geht es darum, dass der Schmerz den Patienten nicht mehr komplett vereinnahmt – denn auch bei Schmerzen ist ein aktives Leben möglich.

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die Inhalte unseres Nervenschmerz-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Dr. med. Henrike Ottenjann, Ärztin und Fachjournalistin für Medizin