Schmerztherapie

Physikalische Maßnahmen in der Schmerztherapie

Zuletzt aktualisiert am: 24.06.2016 14:45:08
Physikalische Maßnahmen in der Schmerztherapie

Physikalische Therapien gelten neben der Physio-, Psycho-, Ergo- und Soziotherapie sowie der Gabe von Medikamenten als weiterer wichtiger Baustein einer multimodalen Versorgung neuropathischer Schmerzpatienten. Ziel ist es, Schmerzen zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und die Arbeitstauglichkeit sowie die Fähigkeit zur Bewältigung des Alltags wiederherzustellen.

Neurostimulation

Eine weit verbreitete physikalische Methode der Schmerzbekämpfung bei akuten und chronischen Schmerzen, bei Spannungskopfschmerzen, Rückenschmerzen oder Gelenkschmerzen ist die Neurostimulation. Dabei werden elektrische Impulse direkt auf betroffene überaktive Nerven geleitet, um die Schmerzen zu „ersetzen“ und dadurch zu lindern. Der Schmerz wird durch diese Verfahren weniger intensiv erlebt, ist aber nicht komplett verschwunden. Die Stimulation erfolgt entweder indirekt über auf der Haut befindliche Elektroden oder per Implantat direkt am Nerv. Voraussetzung für eine Anwendung sind seit mindestens sechs Monaten bestehende Schmerzen.

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Transkutane Elektrische Nervenstimulation

Eine periphere nicht-invasive Methode ist die Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS). Sie hemmt nozizeptive Schmerzrezeptoren im Rückenmark. Die TENS kann selbstständig zuhause durchgeführt werden. Auf die Haut aufgeklebte Elektroden können direkt über dem Schmerzgebiet, über dem peripheren Nerven, der das Schmerzareal versorgt, oder über Triggerpunkten positioniert werden. Niederfrequente Wechselströme erzeugen ein sanftes Kribbeln und „übertönen“ damit die Schmerzreize. Das körpereigene Schmerzhemmsystem wird aktiviert. Dieses Verfahren führt bei zu 60 Prozent der Patienten zu einer Linderung der Schmerzen. Völlige Schmerzfreiheit kann dadurch allerdings nicht erreicht werden.

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Periphere bzw. subkutane Nervenstimulation

Bei der peripheren Nervenstimulation (PNS) bzw. subkutanen Nervenstimulation (SNS) erfolgt die Stimulation peripherer Nerven zur Schmerztherapie mittels Elektroden, die operativ im Spinalkanal (Wirbelkanal) befestigt worden sind (PNS) oder mittels Elektroden, die durch die Haut eingebracht worden sind und unter der Haut in der Umgebung des Nervs liegen (SNS). Ein Neurostimulator ist etwa so groß wie eine Stoppuhr. Er sendet über eine oder mehrere Elektroden und spezielle medizinische Kabel schwache elektrische Impulse, die am Ort der Schmerzen ein Kribbeln erzeugen und den Schmerz verändern, bevor er das Gehirn erreicht. Die PNS kann eine Option sein bei peripheren inkompletten Nervenschäden mit einer Allodynie und einer Hyperpathie, bei Phantomschmerzen, bei CRPS und inkompletten Plexusläsionen. Die SNS eignet sich u.a. bei peripheren inkompletten Nervenschäden oder auch bei Gürtelrose.

Spinale elektrische Stimulationen kommen nur bei sehr starken Schmerzen und nach Ausschöpfung aller anderen Möglichkeiten in Betracht, sehr selten bei neuropathischen Schmerzen infolge einer peripheren Neuropathie.

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die Inhalte unseres Nervenschmerz-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Dr. med. Henrike Ottenjann, Ärztin und Fachjournalistin für Medizin