Schmerztherapie

Welcher Arzt behandelt Nervenschmerzen?

Zuletzt aktualisiert am: 02.05.2016 12:15:50
Welcher Arzt behandelt Nervenschmerzen?

Eine erfolgreiche Schmerztherapie sollte interdisziplinär, also fachübergreifend, erfolgen. Verschiedene Fachärzte und Therapeuten erarbeiten dabei ein gemeinsames Ziel für die Behandlung eines Patienten. Fehlt dem behandelnden Arzt oder Hausarzt die Qualifikation für die Schmerzbehandlung, erfolgt eine Überweisung an einen Fachkollegen. Die wichtigsten Ansprechpartner bei der Schmerzbehandlung sind der Neurologe und der spezielle Schmerztherapeut.

Was ist ein Neurologe?

Ein Neurologe befasst sich mit Erkrankungen des Gehirns, des Rückenmarks, der Nerven sowie der Muskulatur. Damit sich ein Arzt Neurologe nennen darf, muss er eine spezielle Ausbildung in diesem Bereich absolviert haben. Dem Studium der Humanmedizin schließt sich eine fünfjährige Weiterbildung an und erst nach der bestandenen Facharztprüfung ist der Arzt dann "Facharzt für Neurologie“.

Was behandelt ein Neurologe?

Ein Neurologe untersucht und behandelt beispielsweise unklare Bewusstlosigkeit, Entzündungen des Nervensystems, Gehirn- und Nerventumoren, Epilepsie, spezielle Syndrome wie Parkinson, Schlafapnoe, Restless-legs, Lähmungen, Ohrgeräusche, Zuckungen, Muskelschwächen, Gefühlsstörungen und auch alle Arten von Schmerzsyndromen.

Für die Behandlung psychischer Erkrankungen ist eigentlich das Fachgebiet der Psychiatrie zuständig. Allerdings kümmern sich Neurologen auch um die psychologischen Folgen der Erkrankungen ihres Spezialgebiets. Aus diesem Grund sind viele Fachärzte für Neurologie auch gleichzeitig Fachärzte für Psychiatrie. Zusätzlich können Psychotherapeuten Schmerzpatienten helfen, schmerzhemmende Erlebens- und Verhaltensmuster zu erlernen.

Welche Diagnoseverfahren verwendet ein Neurologe?

Die Grundlage stellt zunächst ein individuelles Untersuchungsgespräch dar und anschließend eine sorgfältige körperliche und neurologische Untersuchung. Zudem stehen dem Neurologen zahlreiche ergänzende Untersuchungsverfahren zur Verfügung:

  • Elektroenzephalographie = EEG: Diese Untersuchung misst die elektrischen Ströme der Großhirnrinde und wird zur Abklärung von Anfallserkrankungen, Durchblutungsstörungen und Hirntumorerkrankungen herangezogen.
  • Verschiedene Ultraschall-/Doppler-Untersuchungen: Hierbei handelt es sich um eine bildhafte Darstellungen der hirnversorgenden Gefäße. Dadurch können Verengungen der Halsschlagadern und der Arterien im Kopf erkannt werden.
  • Elektroneurographie: Bei dieser Untersuchung wird durch Reizung eines Nerven an den unterschiedlichsten Stellen die Leitgeschwindigkeit des Nerven und die dazugehörige Reaktion des Muskels ermittelt. Sie bietet Aufschluss über Nervenengpass-Syndrome (z.B. Karpaltunnelsyndrom) und bei Polyneuropathien (Erkrankungen mehrerer Nerven), wie beispielsweise als Folgeerkrankung der Zuckerkrankheit.
  • Elektromyographie = EMG: Hierbei wird die elektrische Aktivität des Muskels gemessen. Diese Untersuchung wird unterstützend angewendet bei der Diagnostik von Muskelschwächen, Bandscheibenvorfällen, Nervenwurzelkompressionen und Nervenlähmungen.
  • Evozierte Potentiale: Bei dieser Untersuchung wird die Funktionsfähigkeit von Nerven z.B. Hör- und Gleichgewichtsnerven, Sehnerven, Gesichtsnerven, Extremitätennerven gemessen. Dadurch können zuverlässige Aussagen über die wichtigsten Sinnessysteme gemacht werden.
  • Lumbalpunktion: Bei einer Lumbalpunktion wird das sogenannte Nervenwasser untersucht. Sie bringt Aufschluss bei der Diagnostik von akuten und chronischen Entzündungen und Infektionen des Gehirns.

Wo finde ich einen Neurologen?

Sollte es der Fall sein, dass Sie einen Neurologen aufsuchen müssen, wird Ihnen die Krankenkasse oder Ihr Hausarzt sicher eine Empfehlung zusammen mit der Überweisung geben. 

  Auch interessant: Hilfe finden: Anlaufstellen und Behandlungszentren für Schmerzpatienten
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Was ist ein Schmerztherapeut?

Ein Schmerztherapeut ist ein Facharzt, der sich in einer zwölfmonatigen Weiterbildung auf den Bereich der Schmerzbekämpfung spezialisiert hat. Diese Weiterbildung umfasst die Bereiche Schmerzanamnese, Schmerzanalyse, Differentialdiagnostik, Beratung, Aufstellung eines Therapieplans, Einsatz schmerztherapeutischer Verfahren sowie Dokumentation des schmerztherapeutischen Behandlungsverlaufs. Nach bestandener Abschlussprüfung trägt der Facharzt die Zusatzbezeichnung "Spezielle Schmerztherapie". Schmerztherapeuten sind häufig Anästhesisten, aber auch Allgemeinärzte, Internisten, Kinderärzte, Psychiater, Psychotherapeuten und andere Fachärzte können diese Zusatzqualifikation erreichen.

Was behandelt ein Schmerztherapeut?

Schmerztherapeuten behandeln überwiegend Patienten mit chronischen Schmerzen. Aber auch Menschen, die unter starken akuten Schmerzen leiden, finden bei diesem speziellen Arzt Hilfe. Ein Schmerztherapeut behandelt unter anderem folgende Erkrankungen und Schmerzarten:

Ziel eines Schmerztherapeuten ist es, die Schmerzen des Patienten zu lindern und erträglich zu machen. Chronische Schmerzen werden meist im Rahmen einer Kombinationstherapie behandelt. Dazu gehören lokale Anästhetika sowie einfache oral einzunehmende Schmerzmittel. Je nach Bedarf können aber auch orale Morphine oder eine kontinuierliche Dosierung über einen Tropf vom Schmerztherapeuten zur Behandlung eingesetzt werden. Neben Schmerzmitteln werden auch oftmals Antidepressiva verschrieben, die eine stimmungsaufhellende Wirkung haben. Häufig empfiehlt ein Schmerztherapeut dann auch eine psychotherapeutische Behandlung.

Welche Diagnoseverfahren verwendet ein Schmerztherapeut?

Als Grundlage für eine erfolgreiche Behandlung erfolgt zuerst ein ausführliches Anamnesegespräch. In diesem wir unter anderem gefragt, wann die Schmerzen zum ersten Mal aufgetreten sind, wie lange der Schmerz jeweils andauert, welche Behandlungen bereits erfolgt sind, welche Schmerzmittel bisher eingenommen wurden und gerade eingenommen werden, bei welchen Aktivitäten der Schmerz auftritt oder wiederkehrt, welche Grunderkrankungen der Patient hat, welche Erkrankungen in der Familie vorkommen und noch Vieles mehr. Häufig empfiehlt ein Schmerztherapeut in diesem Erstgespräch dem Patienten zukünftig ein Schmerztagebuch zu führen, da es für die weitere Behandlung äußerst hilfreich sein kann.

Anschließend untersucht der Schmerztherapeut den Patienten körperlich, neurologisch und eventuell auch orthopädisch. Zusätzlich können weitere Untersuchungen wie Röntgen, Ultraschall oder eine Computertomografie angeordnet werden.

Wo finde ich einen Schmerztherapeuten?

Sollte es der Fall sein, dass Sie einen Schmerztherapeuten aufsuchen müssen, wird Ihnen Ihr behandelnder Arzt oder Hausarzt sicher eine Empfehlung zusammen mit der Überweisung geben. Auch ein Anruf bei Ihrer Krankenkasse kann hilfreich sein. 

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Liebe Leser,
die Inhalte unseres Nervenschmerz-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Dr. med. Henrike Ottenjann, Ärztin und Fachjournalistin für Medizin