Schmerztherapie

Nervenregeneration – Kann man Nervenschäden heilen?

Zuletzt aktualisiert am: 21.11.2016 10:31:53
Nervenregeneration – Kann man Nervenschäden heilen?

Nerven- oder Neuroregeneration bezeichnet die natürliche Wiederherstellung von durch Verletzungen, Überlastungen, Tumore oder Entzündungen verloren gegangenen Nervenzellfunktionen.

Regeneration peripherer Nerven

Verletzte Nervenfasern des peripheren Nervensystems haben grundsätzlich die Fähigkeit zur Regeneration: Mit einer Geschwindigkeit von 2 bis 3 mm/Tag bei kleineren Nerven und bis zu 5 mm/Tag bei größeren Nerven wachsen die Fasern wieder nach. Vom Axonstumpf aus wird der Nerv wieder aufgebaut. Diesen Prozess unterstützen verschiedene im Körper vorhandene chemisch wirksame Substanzen. Lokale Faktoren wie Durchblutungsverhältnisse, Gewebesauerstoffgehalt, Glukose, Elektrolyte, Zytokine und Vitamine beeinflussen ihn zusätzlich.

Am Ende des Reparaturprozesses können die Nervenfasern ihre alten Funktionen ganz oder teilweise wieder aufnehmen. Nicht selten kommt es dabei aber auch zu Fehlleitungen zu falschen Endorganen. Bei schweren Schäden des peripheren Nervensystems und auch bei Nervenverletzungen im Bereich des Gehirns und des Rückenmarks ist eine Regeneration von Nervenzellen unwahrscheinlich bis ausgeschlossen. Welche Wege verfolgt die Nervenschmerztherapie, um den Körper bei der Wiederherstellung von Nervengewebe zu unterstützen? Neben physio- und ernährungstherapeutischen Behandlungskonzepten sowie Medikamenten können folgende Maßnahmen eingesetzt werden.

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Nervennährstoffe

Der Reparaturmechanismus kann aber auch durch Nervennährstoffe unterstützt werden. Durch die Zufuhr von Nervenbausteinen wie dem Pyrimidin-Nukleotid Uridinmonophosphat (UMP) kann die Produktion von Eiweiß gefördert und eine ausreichende Enzymausstattung geschädigter Nervenzellen sichergestellt werden. UMP, ein Baustein der RNA (Ribonukleinsäure), beschleunigt biochemisch den Wiederaufbau neuronaler Membranbestandteile. Andere für die Reifung und Regeneration von Nervenzellen wichtige Substanzen sind Alpha-Liponsäure, Vitamin B1, B6, B 12 oder auch Folsäure. Die Kombination der drei Stoffe UMP, Vitamin B12 und Folsäure kann im Rahmen einer bilanzierten Diät eingesetzt werden.

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Elektrische Stimulationen

Elektrische Stimulation kann helfen die Schmerzen zu lindern und die Nervenfunktion wiederherzustellen, da elektrische Felder Aktivität, Wachstum und Funktion von Nervenzellen (Neuronen) positiv beeinflussen können. Unterschieden wird zwischen Gleichstrom- und Wechselstromverfahren im Nieder- oder auch Hochfrequenzbereich.

Gleichstromtherapie

Gleichstrom ist ein Strom konstanter Spannung und gleichbleibender Fließrichtung, bei dem es zu keiner Depolarisation von Nerv oder Muskel kommt. Geschwindigkeit und Ausmaß der Regeneration werden durch eine Gleichstromtherapie positiv beeinflusst. Diese sogenannten galvanischen Ströme werden bei hydroelektrischen Voll- oder Teilbäder, z.B. „Stangerbad“ oder Vierzellenbad, eingesetzt. Sie dienen der Schmerztherapie, Durchblutungsförderung und der Iontophorese, bei der Arzneistoffe via Gleichstrom in den Körper gelangen. Mithilfe des konstanten galvanischen Stroms können Medikamente durch die unverletzte Haut in tiefere Bereiche des Gewebes eingebracht werden. Wechselstrom ändert mehrmals pro Sekunde das Vorzeichen seiner Spannung und damit seine Fließrichtung. Dies ist hilfreich bei Verfahren der neuromuskulären Reizung. Niederfrequenter Strom fördert die Reparatur von Nervenzellen.

Erst wenn alle unterstützenden Maßnahmen keinen Erfolg zeigen oder wenn eine akute Durchtrennung eines Nervs vorliegt, kann ein operatives Verfahren eingesetzt werden.

Medikamentöse Möglichkeiten werden im Abschnitt Medikamentöse Behandlung umfassend dargestellt.

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Liebe Leser,
die Inhalte unseres Nervenschmerz-Ratgebers dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Dr. med. Henrike Ottenjann, Ärztin und Fachjournalistin für Medizin